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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 16.1940

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https://doi.org/10.11588/diglit.42537#0148

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144

Besprechungen

spielsweise sei Folgendes herausgegriffen, das heute zur Lösung auf archäologischem
Wege reif ist. Wais läßt rechtsrheinisch, zum mindesten östlich des Schwarzwalds, die
Ansiedlungen und Gewannsluren schon bei der 1. Landnahme entstehen. Der archäologische
Nachweis steht noch aus, und zwar deswegen, weil Siedlungen noch fehlen und die Fried-
höfe — wohl infolge eines Wechsels im Bestattungsbrauch — frühestens gegen Ende des
5. Jahrhunderts, also gleichzeitig mit der 2. Landnahme beginnen; ist dieses zeitliche Zu-
sammenfallen Zufall, besteht vielmehr Kontinuität der Besiedlung und Bevölkerung seit
der 1. Landnahme, und nur der Bestattungsritus ändert sich, und zwar so, dah wir den
späteren kennen, den früheren bisher nur in Einzelfällen? Wenn die Siedlungen auch
zumeist unter der heutigen liegen, — irgendwie müssen sich welche finden lassen; der Ver-
such Stolls in Hailfingen wäre systematisch zu wiederholen, und auch die Gräber des 3.,
4., 5. Jahrhunderts müssen sich finden lassen, wenn sie auch entsprechend den zahlenmäßigen
Verhältnis von Gräbern des 7. zu solchen des 6. Jahrhunderts immer spärlich bleiben
werden. Schwierigkeiten dürfen angesichts der volksgeschichtlichen Wichtigkeit des Pro-
blems keine Rolle spielen, gegebenenfalls müssen ganze Gemarkungen ausgegraben werden
(Bad. Fber. 13, 1937, 134). Es gibt übergenug Anhaltspunkte frühestmittelalterliche Fra-
gen durch Ausgrabungen zu klären. . G. Kraft.

H. Zeih, Studien zu den Grabfunden aus dem Durgundenreich an der Rhone (Sitzungs-
berichte der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Phil.-hist. Abt. 1938, Heft 7).
Da diese Arbeit überaus aufschlußreiche Ergebnisse über die Entwicklung des burgun-
dischen Kunsthandwerks sowie über das Verhältnis der burgundischen zur alamannischen
Landbesiedelung während des 5.-7. Jahrhunderts bringt, sei darüber ausführlicher be-
richtet.
Bei seiner chronologischen Untersuchung der bis jetzt bekannten Grabfunde aus dem
Raum, den die Burgunder laut historischen Rachrichten seit dem 5. Jahrhundert bewohn-
ten, kommt Zeih zu dem Ergebnis, daß aus der Zeit des selbständigen Burgunderreiches
vom Jahr 443 bis zur Unterwerfung unter die Franken 534 nur wenige, über das ganze
Gebiet vom Kanton Waadt bis zur Coke d'Or und bis zur Jsere verstreute Grabfunde be-
kannt geworden sind. Die Beigaben aus diesen frühesten Gräbern lassen keinerlei Zu-
sammenhang mit den kunstgewerblichen Erzeugnissen aus den früheren Sitzen der Bur-
gunder im Maingebiet und an der Oder erkennen. Ihre Dolkszahl war offenbar zu gering,
um in der neuen Heimat eigene Werkstätten aufbauen zu können. Eine Antersuchung der
in den Gräberfeldern des burgundischen Gebietes gefundenen Bügelfibeln aus der fol-
genden Zeit des 6. und 7. Jahrhunderts ergab, daß die Burgunder im Gegensatz zu Ost-
goten, Westgoten, Langobarden und Franken auch späterhin an der Entwicklung dieses
wichtigsten Schmuckstückes der germanischen Völker keinerlei tätigen Anteil hatten. Bei der
Keramik läßt sich sogar ein unmittelbarer Zusammenhang der Grabfunde aus dem bur-
gundischen Gebiet mit den Erzeugnissen der vorausgehenden spätrömischen Töpfereien
des Rhone-Saone-Gebietes nachweisen.
Die großen Gräberfelder der späteren Zeit teilt Zeih durch genaue zeitliche Einord-
nung ihrer Grabbeigaben in zwei Gruppen auf: 1. solche, die schon im 6. Jahrhundert,
aber nach 534 beginnen, und 2. Gräberfelder, die in ihrer ganzen Ausdehnung ins 7. Jahr-
hundert fallen. Zur letzteren Gruppe gehört die Hauptmasse der heute bekannten Grab-
funde, vor allem aus der Westschweiz. Anter den ersteren ist Wohl das aufschlußreichste
Gräberfeld das bei St. Sulpice in der Rähe von Lausanne, Kt. Waadt. In diesem gut aus-
gegrabenen Gräberfeld hatten unter 200 Gräbern nur 14 Grüber etwas bessere Beigaben.
Hierin zeigt sich eine auffallende Äbereinstimmung mit dem ebenso beigabearnren Gräber-
feld von Kaiseraugst, Kt. Aargau, das offensichtlich die romanischen Rachkommen des
spätrömischen Kaiseraugst und erst vom 7. Jahrhundert ab einige zugewanderte Alaman-
nen enthielt. Daraus schlicht Z., dah die Burgunder in St. Sulpice im Verlauf des 7. Jahr-
hunderts unter dem Einfluß der zwischen ihnen wohnenden romanischen Bevölkerung
von der Beigabensitte abgekommen seien. Dieselbe Beobachtung hatte Z. schon früher an
einigen westgotischen Gräberfeldern in Spanien gemacht (H. Zeih, Die Grabfunde aus
dem spanischen Westgotenreich, 1934, S. 74—78).
Auf der anderen Seite des burgundischen Siedlungsbereiches, in den Gräberfeldern
der Bourgogne, läßt sich dagegen an Hand der Grabbeigaben vom 6. Jahrhundert ab frän-
kischer Einfluh erkennen, so vor allem in den reich ausgestatteten Gräberfeldern von Vro-
chon und Charnay. Das von Lablotier und Scheurer sorgfältig ausgegrabene und 1914 ver-
öffentlichte Gräberfeld Bourogne bei Belfort wird von Z. wegen seiner Übereinstimmung
mit den elsässischen Gräberfeldern nicht mehr den Burgundern, sondern den Alamannen
z-ugeschrieben. Also auch in den Bestattungssitten zeigt sich bei den Burgundern ein ver-
hältnismäßig rasches Nufgeben ihrer Eigenart, und zwar nach beiden Seiten hin, sowohl
 
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