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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 21.1958

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https://doi.org/10.11588/diglit.43788#0104
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Christa Seewald

Siedlungsnachweise außerhalb der Rheininsel sich über eine wesentlich größere Fläche erstrecken
als die vielen Funde auf der Rheininsel.
Das Material
Die Keramikreste der Fundstellen auf, wie auch außerhalb der Rheininsel zeigen ein durchaus
einheitliches Gepräge. Durch nichts ist der Eindruck zu gewinnen, daß es sich vielleicht um zwei
von einer unterschiedlichen Entwicklung gekennzeichnete Stufen gehandelt haben könnte. Das
bedeutet insofern eine Erleichterung, weil deshalb das Material als geschlossener Komplex vor-
gelegt werden kann.
Bei den Gefäßresten ist festzuhalten, daß im Verhältnis zu den für die Siedlungsware kennzeich-
nenden Bruchstücken und Scherben von Groß- und Grobgefäßen gleichfalls eine beachtliche An-
zahl Funde von Feinkeramik vorhanden sind. Das ist eine bei Urnenfeldersiedlungen stets beob-
achtete Erscheinung.
Die Randstücke der Vorratsgefäße zeigen den üblichen Schrägrand, der teils gerade abgestrichen
ist, teils ein oder mehrere Facetten aufweist. Beliebt ist schräge oder senkrechte Kerbung der
äußeren Randkante, gelegentlich auch Fingertupfenzier (Taf. 32, 18. 20; Taf. 35, 7. 14. 15; Taf. 38,
11. 12. 15; Taf. 40, 3. 11; Taf. 44, 12). Dazu kommt in den meisten Fällen die ebenfalls allgemein
bekannte Betonung des Randknicks durch eine einfache Zierreihe, deren Variationen auf unter-
schiedliche Technik bzw. verschiedenartige Formstäbchen oder im einfachsten Fall auf Finger-
tupfen zurückgehen. Hierher gehören außerdem keilförmige, dreieckartige, eingekerbte oder
-geschnittene, längliche, fast rechteckige und spitzovale Eindrücke, die entweder senkrecht oder
schräg angebracht worden sind, sowie grätenförmige Einstiche (Taf. 32, 10. 14. 18—20; Taf. 35, 1.
9. 13. 15; Taf. 38, 11. 12. 15; Taf. 40, 3; Taf. 42, 4. 10; Taf. 43, 1; Taf. 44, 12; Taf. 45, 7). Dazu
kommen gelegentlich noch mit Leisten verzierte Bruchstücke, die ihrerseits wieder mit Einstichen
und Eindrücken versehen sind (Taf. 42, 5; Taf. 44, 3). An einem Gefäß läßt sich beobachten, daß
zur Hervorbringung seiner Randknickverzierung ein offensichtlich mehrfach gespaltenes Hölz-
chen benutzt wurde (Taf. 38, 13). Verschiedentlich ist die gewöhnlich rauhe, hin und wieder aber
geglättete Gefäßwandung ornamentiert. Zum Beispiel sind mehrere Fingertupfenreihen beliebt,
in denen z. T. noch der Nagelabdruck zu sehen ist (Taf. 38, 4; Taf. 39, 6), doch kommen auch
Kombinationen von Fingertupfen und aus dem Ton herausgekniffenen Rippen bzw. annähernd
viereckig-rhombischen Erhebungen vor (Taf. 35, 12; Taf. 45, 7). Ferner ist eine Reihe kleiner,
runder Warzen neben fast quadratischen, schwachen Eindrücken zu sehen (Taf. 35, 8).
Im allgemeinen handelt es sich hierbei nicht um Verzierungstechniken und -muster, die nur für
die Urnenfelderkultur Gültigkeit haben. Sie besitzen im Gegenteil eine lange Tradition und
lassen sich bis in die frühe Bronzezeit zurück verfolgen; nach der Urnenfelderzeit halten sie sich
noch bis in die späte Hallstattzeit. Die dreieckartigen und keilförmigen Einstiche scheinen aller-
dings sehr häufig unter der Keramik der hochrhein-oberrheinischen und schweizerischen urnen-
felderzeitlichen Siedlungen vorzukommen.18) Sogar für die Verzierung von Taf. 38, 13 läßt sich
aus den Pfahlbauten ein ähnlich hergestelltes Muster nachweisen.10 * * * * * * 17)

10) z. B. R. Lais, Eine Ansiedelung der spätesten Bronzezeit auf dem Isteiner Klotz im südlichen
Baden, Ber. d. Naturforsch. Ges. zu Freiburg i. Br. 24, 1925, Abb. 14. — G. Bersu, Das Witt-
nauer Horn, Monograph, z. Ur- u. Frühgesch. d. Schweiz 4 (1945) Taf. 30, Abb. 117; Taf. 36,
Abb. 126. — W. Drack, Der Bönistein ob Zeiningen, eine spätbronzezeitliche und späthall-
stättische Höhensiedlung des Juras, Festschr. R. Bosch (1947) 103 Abb. 2, 93. 98. 105. —
R. Laur-Belart, Lehrgrabung auf dem Kestenberg, Urschweiz 15, 1951, 46 Abb. 30, 1. 2. 5. 12.
14. 15; 47 Abb. 31, 2. — R. Laur-Belart, Kestenberg II, Urschweiz 16, 1952, 88 Abb. 60, 8; 89
Abb. 61, 15. — Wollishofen; Pfahlbauberichte 9 (1888) Taf. 8, 10. — Zürich-Alpenquai; Pfahl¬
bauberichte 10 (1924) Taf. 9, 1. — Bodman (Stockach); Bad. Fundber. 17, 1941—1947, Taf. 71,
15. 19. 20. — Achkarren (Freiburg); Bad. Fundber. 19, 1951, Taf. 18, 2. — Wie stark die Tra¬
dition ist, die die gleiche Technik bis in die späte Hallstattzeit dauern läßt, zeigen Scherben
aus Gruben von Bischoffingen (Freiburg) und Endingen (Emmendingen); Bad. Fundber. 17,
1941—1947, Taf. 77, A 12; B 6. 10. 11; Taf. 78, 3. 6.
17) Großer Hafner (Zürich); Pfahlbauberichte 9 (1888) Taf. 9, 1.
 
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