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DIE FISCHERIN VON ALBERT ROFFHACK

Das Wasser läuft übers Felsgestein —
Ach, stirb einmal, meine Seele!
Ich bin eines Fischers Töchterlein.
Flußaufwärts steig ich, wo unentdeckt
Des Quells Ursprung sich im Moose versteckt.
Die Stimme der Wasser rief mich vom Ort,
Und wieder abwärts lockt sie mich fort.
Einst sprangen die Wasser im Silbergewell —
Ach, stirbst du bald, meine Seele?
In den Wogen bewegte sichs weiß und hell.
Das war eines mutigen Knaben Leib.
Mir rief es im Herzen: O wär ich sein Weib!
Eine Harfe hielt er in Händen und sang,
Daß herzerschütternd mirs wiederklang.
Ich habe vergessen sein Lied und Wort —
Ach, stirb einmal, meine Seele!
Er sang es und schwamm in den Wellen fort.
Sein Lied glich der Blume, die Stacheln trägt,
Und dem, der sie greift, nur Wunden schlägt.
Am Ufer sein warten, das war mir bestimmt:
Er lebt wie der Fisch, der im Flutreich schwimmt.
 
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