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GOETHES GARTENHAUS VON E. R. WEISS

O wie schaut der Erde holdestes Haus
Aus grüner Gartenwelt heraus,
Von Rosen liebend bis ans Dach umzogen,
Von Schmetterlingen sommerlich umflogen,
Von Blumen hell und reich umschlungen
Und vieler Vögel unaufhörlichem Gesang umklungen.
In aller Dinge Leben und Gewimmel
Stehts wie ein weißes Antlitz unterm hohen Mittagshimmel
Und hegt ein unerforschlich Leben vor wie nach
In dem beschatteten unangetasteten Gemach.
Drin leben Geister ein unendliches Leben,
Die ihres Vaters Gestalt umschweben,
Der alles nährt aus seiner Fülle,
Dem alles dient, so wie es will sein Wille,
Sein Herz, wie er die Herzen aller Menschen hält,
Mit Stern und Blume, Busch und Baum gesellt.
Bewegt in alles Lebens Lust und Klage
Betrachtet er den wunderbaren Kranz der Tage,
Hört zu dem ewigen Gesang der hoch und niedern Dinge
Und leiht dem Steine Worte, daß er lebend singe,
Denn Alles gibt und nimmt in seligem Zwang gesellt
Und wird so Klang und Wiederklang der Welt.
 
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