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Badische Kunst: Jahrbuch d. Vereinigung Heimatliche Kunstpflege, Karlsruhe — 3.1905

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https://doi.org/10.11588/diglit.52694#0014
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8 Diese Künstler, die der persönlichen und doch allgemein gültigen Auffassung der Natur, ihrer
Mächte, Stimmungen und Schönheiten neuen Ausdruck verliehen, gehören derselben Lehre an.
Der um die Entwicklung des badischen Kunstwesens hochverdiente erste Direktor der Karlsruher
Kunstakademie, J.W. Schirmer, warin Düsseldorf der Lehrer A. Böcklins und H. Ludwigs, wie auch
H. Thomas und Emil Lugos in Karlsruhe. Ganz abgesehen von dem bedeutenden Lebenswerke
Schirmers, würde es schon für die Trefflichkeit dieses bedeutenden Meisters zeugen, wenn er nur als
der Lehrer dieser neuschöpferischen Künstler vor uns stünde. Aber auch der Mensch, seine innere
Geschlossenheit, seine fromme Gläubigkeit und damit die Ehrfurcht vor jeder Menschenseele,
der das Recht der Selbsterlösung als Gottesrecht angeboren ist, steht dem Künstler ebenbürtig
zur Seite. Diese unerschütterliche Einheitlichkeit seines Wesens hat zweifellos auch in seinen
Schülern nachgewirkt. Sie haben es endlich nicht leicht gehabt, diese Neuschöpfer und Aus-
bildner unserer heutigen Landschaftskunst. Sie sind ganz gegen den Zeitwillen das geworden,
was sie sind. Sie haben die Zulässigkeit ihrer Natur- und Weltauffassung, die Berechtigung
ihrer Ausdrucksweise und ihres Stiles, kurz gesagt, ihre Selbständigkeit mit Jahren schmerz-
licher Vereinsamung unter heftigen Anfeindungen erkämpft. Sie alle haben in stolzer Entsagung
die Treue gegen sich und die Kunst behauptet. Keiner mehr als Lugo, der erst am Ende seines
schaffensreichen Lebens einem Freunde mit wehmütiger Befriedigung bekennt: „Eine kleine
Gemeinde habe ich mir in Deutschland doch erworben.“
Auch bei Lugo, der als reiner Landschafter und strenger Formkünstler dem Publikum, das meist
stofflich-inhaltlich interessiert ist, am sprödesten gegenüberstand, bedeuten die Schuleinflüsse
nicht eben viel. Sie bezeichnen nur mehr ganz allgemein die Richtung, die seine innerste Natur
ihn geführt hat. Seine geistige Bedeutung, die Wärme seines Wesens, seine treffliche mit
Ironie und Humor gewürzte Unterhaltungsgabe, sein zielsicheres Wollen, sein „fabelhaftes
Können“, seine reine begeisterte Hingebung an die Kunst: alle diese Eigenschaften gewannen
und sicherten ihm einen treuen Freundeskreis. Er, ein Jüngster unter den Kunstbeflissenen
der neu gegründeten Akademie, war für seine Mitstrebenden ein Mittelpunkt geistiger Anregung
und Förderung. Bedeutende Künstler haben Lugo für die Zeit seines Lebens eine dauernde
treue Freundschaft bewahrt, wenn ihre Wege auch nach andern Richtungen gingen als Lugo
und seine Kunst. Sein Werk aber gewinnt ihm, kraft seines Geistes, täglich neue Freunde.
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Am 26. Juli 1840 zu Stockach als Sohn des Amtsassessors Alfons Lugo wurde Emil Lugo
„gezwungen, das Licht dieser Welt anzusehen, sich überhaupt an unsere Welt zu gewöhnen,
was bis zuletzt immer nicht recht gelingen wollte.“ Mit diesem launigen Selbstbekenntnis
bezeichnet Lugo den tragischen Ausgangspunkt seines Lebens. In seinem zweiten Lebensjahre
kam er mit den Eltern nach Freiburg. Das Elternhaus konnte keine ganz sorgenfreien Jugend-
jahre bieten. Die Aufregungen der kirchlich-politischen Kämpfe der vierziger und fünfziger
Jahre warfen ihre Wellen auch in das Haus des damaligen Hofgerichtsrates Lugo. Aber ein
 
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