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Badische Kunst: Jahrbuch d. Vereinigung Heimatliche Kunstpflege, Karlsruhe — 3.1905

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https://doi.org/10.11588/diglit.52694#0080
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74

JOHANNA KANOLDT ZWEI GEDICHTE
ROKOKO

Verschlungene Gitter, Schnörkel und Rosetten,
ein Göttersitz scheint leicht sich aufzubauen,
am Horizonte fern die Silhouetten
der Berge, dämmerzartes Blauen,
die Ströme, flüssigleichte Silberketten
durchstreifen blitzend segenschwere Auen,
in nahen Lauben kichern lose Amoretten —
Ihr runzelt zürnend eure feinen Brauen,
o, Herrin, wer soll aus der Pein uns retten,
wenn nicht dem holden, blinden Gott zu trauen?
Ja, Phoebus selbst, euch einmal noch zu schauen,
hält Rast, im Scheine strahlender Facetten,
o, Herrin, dunkler Taxus flüstert sacht,
und Nachtigallen schlagen durch die Nacht.
MADELEINE
Du hast Madeleine dein Herz gegeben
ich hab’ sie belauscht im gelben Zimmer,
sie dreht’s in ihren Händchen soeben
bei grünem Mondesflimmer,
sie wendet’s nach allen Seiten und Ecken,
als wollte sie Neues daran entdecken.
Stellt es graziös in eine Vase Louis quinze,
begießt es mit Champagnergebraus
„Comme je vous aime mon prince, oh, mon prince!“
und zierlich kleidet sie sich aus.
„Le eure“ trällert sie kokett
und schlüpft dann in ihr Himmelbett.
 
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