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Badische Kunst: Jahrbuch d. Vereinigung Heimatliche Kunstpflege, Karlsruhe — 3.1905

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https://doi.org/10.11588/diglit.52694#0032
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2Ö sondern als Vorstufe zu höherer Leistung. Seine ersten aus der Kunstschulzeit stammenden
Zeichnungen sind fleißige, mit Liebe und Geduld bis ins kleinste durchgebildete Arbeiten nach
der Natur. Seine ersten, auch noch in die Kunstschulzeit fallenden malerischen Versuche sind
Kompositionen, in denen die volle Unmittelbarkeit des Naturerlebens nachklingt; eine Frische
der Empfindung, eine Plötzlichkeit der Auffassung, eine geistvolle Sorgfalt in der Wahl der
Motive, die uns heute noch berührt, als wäre das Werk von gestern. In der strengen, formalen,
ins Große gehenden Durchbildung zeigt sich sein Künstlertum. Naturabschrift um ihrer selbst
willen war Lugo verhaßt bis zur Verachtung.
In dieser frühen Zeit neigt das Gewicht der stilistischen Betätigung Lugos noch fast ganz nach
der Seite der Form. Sie ist der Grund- und Oberton seines Schaffens. Daher seine zahlreichen,
farbig leicht-getuschten Kartons, daher seine scharfe zeichnerische Art, daher die fast gänzliche
Ausschaltung von Staffage, acht große Mosesdarstellungen werden verworfen wegen der
Figuren — daher schon in dieser Zeit der brennende Wunsch, sich graphisch zu betätigen. Daher
auch das Aufsuchen Prellers d. Ä., des strengsten und organischsten Landschaftskomponisten
seiner Zeit. In diesen Jahren auch die ersten graphischen Blätter: Vier Radierungen voll
prächtiger Harmonie in Terrainbildung, Baumwuchs und Himmel. In diesen Frühwerken
herrscht noch die etwas kurzatmige, natürliche Melodie vor.
Das vierjährige italienische Studium mit dem Erlebnis der feinen, charaktervollen Linien
Italiens, der mächtige, immer stärker wirkende Eindruck von Rom und der Campagna, die
großzügige Küste am Golf von Neapel reift seinen breit dahinströmenden, getragenen Rhythmus.
Neues tritt hinzu. Die Farbe gewinnt an Feuer, Tiefe und Durchsichtigkeit. Etwas von der
Kunst Claude Lorrains tritt in Lugos Kunst auf. Claude war ihm ein höchster Meister:
„Gewisse Claude sehe Bilder sind mir immer die reine Offenbarung landschaftlicher Schönheit
gewesen.“
Der Tropfen deutschen Blutes lag aber zu tief in seinem Herzen, als daß er ihn hätte heraus-
werfen können. In der Freiburger Einsamkeit entstehen jetzt jene starken, im Formalen
vollendeten, in der Farbe ins Braungoldene gehenden Stimmungsbilder von Tages- und Jahres-
zeiten, von Berg- und Ebenenlandschaften, jene großen Naturdichtungen eines mit heiterm, fast
mühelosem Ernst über einen reichen Formenschatz verfügenden Künstlers: „Vergänglichkeit“,
„Weltfern“, „Melancholie“, „Sommertag“, „Abenddämmerung“ u. s. f., die in ihrer Stille und Hoheit
die großen symphonischen Schöpfungen im letzten Jahrzehnt seines Lebens vorahnen lassen.
War es die Not des Lebens und der Seele, die hier in noch gedämpften Farbenakkorden sang?
War die Zeit der vollen Versöhnung mit der Welt und den Kunstmitteln noch nicht gekommen,
daß die Farbe nurmehr in den zahlreichen Aquarellen dieser Zeit sich jubelvoll hervorwagte?
Köstlichste Frische und Freudigkeit, kühner, sicherer Vortrag zeigen in den 8oer Jahren vor-
nehmlich die Aquarelle. Wieder und wieder klingt auch in dieser Zeit der Ruf nach graphischer
Betätigung aus seinen Briefen hervor. Wie stark mußte das Bedürfnis nach Form sein, das
sich in der strengen zeichnerischen Art genug tun wollte! Da eröffnet sich seinem Drang ein
 
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