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Badische Kunst: Jahrbuch d. Vereinigung Heimatliche Kunstpflege, Karlsruhe — 3.1905

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https://doi.org/10.11588/diglit.52694#0037
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DER GROSSE KELCH

31

Über Nacht
ist die Liebe aufgewacht,
hat den großen Blütenkelch,
der uns heilig schauern macht
und die Seele lautlos füllt,
ganz entfaltet und enthüllt.
Einstmals hat ihn meine Hand
so gefühlt
tief im Anfang, du.
Und dann ging er wieder zu,
fast als hätt’ er sich verkühlt.
Lange Zeit
furchte deine Züge Leid,
und ich hab in Einsamkeit
ferne Sehnsucht aufgewühlt.
Schimmernd ist er aufgegangen,
sieh, mit welchem Duftverlangen
sich der Kelchrand öffnen will.
Und da stehn wir Hand in Hand
in dem dunklen Gartenland
vor dem Wunder still.
 
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