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Badische Kunst: Jahrbuch d. Vereinigung Heimatliche Kunstpflege, Karlsruhe — 3.1905

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https://doi.org/10.11588/diglit.52694#0060
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54

GEHEIMNIS

Schlug nicht oft ein leichtes Scherzen
dir geheime tiefe Wunden?
Doch, umhaucht von Todesschmerzen,
lebtest du die reichsten Stunden.
Selbst das neueste Begegnen
weckt ein wundersam Erinnern.
Sollst du fluchen oder segnen,
was sich regt im tiefsten Innern?
Alles, was dich einst erfreute,
fühlst du schattenhaft entgleiten
und das rasch verlebte Heute
weitet sich zu Ewigkeiten.
Dunkle Wege, nachtverhüllte,
mußt du wandeln ohne Willen.
Sehnsucht, die dich ganz erfüllte,
Ach! kein Zauber kann sie stillen.
Müd vom Hassen wie vom Lieben,
klingt die Ruhe wie Verheißung.
Aber um und um getrieben,
folgst du unbegriff’ner Weisung.
Hoffe nicht, dich auszustrecken.
Hier ist keine Rast gegeben,
ewig wird dich neu erwecken,
eng verschwistert, Tod und Leben.
 
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