Becker, Rudolf Zacharias
Noth- und Hülfsbüchlein für Bauersleute oder lehrreiche Freuden- und Trauer-Geschichte des Dorfs Mildheim — Sulzbach in der Oberpfalz, 1789 [VD18 12674052]

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wollten/ mit Rath und That an die Land gehen, und
ihnen zu guten Saamen verhelfen. Er sagte auch: in
dem !7loth- und Hülfsbüchlein, welches er in die
Schule gegeberr, sey deutlich beschrieben, wie man die
Verbesserung der Landwirthschaft durch den Viebstand
anstellen müsse, und wie überhaupt ein jeder fleißiger
und kluger Bauersmann mit Ehren und gutem Ge-
wissen seine Umstände verbessern könne. Ueber die
Vormittagspredigt wurde auch allerhand gesprochen,
und der Herr von Mildheim meinte: wenn er nach
seines wohlseligen Herrn Vaters Willen in die Fremde
reisen, und auf die Menschen Acht haben würde, wa-
rum die meisten unglücklich Und mißvergnügt waren?
so würde er vermuthlich bei vielen eben die Ursache da-
von antreffen, daß sie nicht darnach strebten, ihr Leben-
lang ihre Sachen immer besser zu machen und ver-
ständiger, gütiger, frömmer, geschickter und nützlicher
zu werden. Sondern er würde finden, daß der eine
nichts im Sinne habe, als reicher, der andere vorneh-
mer zu werden, der dritte seine Begierde nach Wollust,
Ueppigkeit, Rache und andern bösen Dingen zu befrie-
digen, und daß so ein jeder etwas suchte, das ihm oft
Ml schlagen müsse: weil ihm andere dabey in den Weg
träten, oder zuvor zu kommen suchten. Darüber klag-
ten sie dann und wären mißvergnügt. Der Gerichts-
halter setzte hinzu, es wäre wohl ein wahres Spruch-
wort : Des Menschen Wille ist sein Himmelreich.
Wenn nun einer zum Exempel immer darnach strebte,
redlich und rechtschaffen zu seyn, klüger zu werden, ein
gutes Gewissen zu behalten: so könne es ihm nicht feh-
len, er müsse vergnügter seyn, als jene; weil ihm nie-
mand in seinem Verlangen hinderlich seyn, oder ihm
diese schöne Seelengüter stehlen könne. Der Schulze,
Amon Schmidt, sagte darauf bescheidemlich: "Ihr
Wort in Ehren, Hr. Gerichtshalter! Wenn aber dec
gnädige
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