Becker, Rudolf Zacharias
Noth- und Hülfsbüchlein für Bauersleute oder lehrreiche Freuden- und Trauer-Geschichte des Dorfs Mildheim — Sulzbach in der Oberpfalz, 1789 [VD18 12674052]

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oder man muß es auf der Malzdarre langsam trocknen,
ehe man es vermahlet. Das Mehl verwahre man an
p* einem luftigen Orte, und wenn mans verbacken will,
trockne man es erst recht am Ofen. Wer es haben
kann, der mische zu dem neuen Mehle die Hälfte vom
jährigen, oder ein Drittheil gutes Gerstenmehl. Zum
Einsäuern nehme man weniger Wasser, als bey gutem
Mehle. Man nehme aber scharfen Sauerteig und
etwas mehr, als gewöhnlich; dann auf jede Metze
Mehl eine Hand voll trocknes Salz. Den Teig decke
man wohl zu, und lasse ihn an der Wärme wohl gähren.
Zum Kneten nehme man recht trocknes Mehl; den
Teig arbeite man recht durch, bis er ganz steif wird;
dann lasse man ihn recht aufgehen, ehe man in den Ofen
damit eilt. Die Brode mache man nicht zü groß und
nicht zu dick, und backe nicht zu viel auf einmahl: weil
es seicht schimmelt, und dadurch noch ungesunder wird.
Der Ofen darf nicht zu heiß seyn: das Brod setzt sonst
zu schnell eine harte Rinde, dünstet nicht Feuchtigkeit
genug weg, und bleibt sitzen. Wer ausgewachsenes
Korn verbacken muß, der nehme eine Hand voll rein ge-
siebte Asche, binde sie in ein leinenes Tuch, und lege sie in
das zum Einsauern zu erwärmende Wasser. Ist das
Wasser heiß genug, so nimmt man die Asche heraus,
und gießt etliche Glaser Brandtwein hinzu, und machet
es so, wie oben beschrieben worden. Kümmel darunter
macht es auch gesunder und weniger blähend. Das
ans dem Ofen gekommene Brod lasse man nicht zu schnell
in der Luft abkühlen, und esse es nicht frisch.
Die Gemüse, welche zu feucht gewachsen sind, werden
dadurch gesünder, daß man sie mit kaltem Wasser ansetzt,
dann das Wasser, wenn es siedet, abgießt, und wieder
frisches daran schüttet. Man nehme auch in nassen
Jahren mehr Kümmel, Ingwer, Pfeffer gröblich ge-
stossen, desgleichen Zwiebeln und Wachholder - Beeren
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