Becker, Rudolf Zacharias
Noth- und Hülfsbüchlein für Bauersleute oder lehrreiche Freuden- und Trauer-Geschichte des Dorfs Mildheim — Sulzbach in der Oberpfalz, 1789 [VD18 12674052]

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7* von

Zwey Geistliche hatten die Wurzel/ an Fleisch ge-
kocht/ gegessen. Wie nun das Gift wirkte/ bildete sich
der eine in der Wuth ein/ er sey eine Gans und stürzte
sich in den nächsten Teich. Der andere riß alle Kleider
vom Leibe und suchte sich auch im Wasser von der in-
wendigen Hitze abzukühlen. Man holte sie wieder
heraus/ und brauchte die besten Mittel. Sie blieben
aber alle beyde gelähmt und starben nach zwey Jahren.
Wer nun solch gefährliches Unkraut in einem Gar-
ten sieht/ muß es gleich ausreissen/ und wer Petersilge
zum Gemüse putzt/ muß sie sorgfältig ansehen und be-
riechen, ob es rechte Petersilge sey? damit kein Un-
glück dadurch geschehe.
Fremde Gewächse/ Blumen und Früchte in den
Lustgärten großer Herren muß man weder kosten noch
beriechen. Es giebt unter denselben viele/ die den
Menschen schädlich sind. So ist z. E. der Airsch-
Lorbeerbaum so gifrig/ daß etliche Tropfen von dem
daraus gezogenen Oehl ein Thier tödten. Auch ist es
überhaupt nicht gut/ an Blumen/ welche einen starken
Geruch haben/ auch sogar an Rosen und Mayblu-
men/ viel und stark zu riechen; noch weniger derglei-
chen in den Kammern und Stuben zu haben/ wo man
schläft/ oder wo wenig frische Luft hinein kommt. Die
starken Dünste/ welche aus solchen Blumen aufsteigen,
erregen vielen Leuten heftiges Kopfweh/ auch zuweilen
.Schlagflüsse und andere gefährliche Zufälle.
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