Becker, Rudolf Zacharias
Noth- und Hülfsbüchlein für Bauersleute oder lehrreiche Freuden- und Trauer-Geschichte des Dorfs Mildheim — Sulzbach in der Oberpfalz, 1789 [VD18 12674052]

Page: 189
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iss. Und doch sehe ich viele unter euch/ die ihrem Alter
und ihren Umständen nach/ wohl heyrathen könnten: die
aber das sanfte Joch des Ehestandes verschmähen/ und
stc Leben in freudenleerer Einsamkeit hinbringen. Und
das sind nicht die Armen/ die selbst kein Brod haben:
cs sind meistens die wohlhabendste«/ denen Gott eben
dazu mehr Güter/ als andern/ gegeben hat/ daß sie
seinen Segen mit einem lieben Weibe und mit einem
Haufen lieber Kinder theilen sollen. Meine Freunde!
als Prediger der göttlichen Wahrheit muß ichs euch sa-
gen: es ist durchaus nichr gut, daß der Mensch
allein sey. Da sitzt so ein Hagestolz in seiner Klause.
Niemand lacht und scherzt mit ihm/ wenn er traurig
ist; niemand freut sich mit ihm/ wenn ihn Gott seg-
net/ und niemand tröstet ihn oder steht ihm bey/ wen«
ihn eine Roth überfällt. Er hak niemand/ dem er
die geheimen Gedanken seines Herzens anvcrtrauen
könnte. Alles Vergnügen des Lebens muß er auffee
dem Hause suchen; jede Dienstleistung muß er ver-
lohnen. In der Wirthschaft muß er ein Topfgucker
scy»/ oder sich auf Dicnstbothen verlassen/ die seine
Sachen niemahls so gut wie ihre eigne«/ in Acht neh-
men/ wenn sie noch so brav sind. Da geht ihm dann
jährlich gar vieles zu Grunde. Kommt er aber ins
Alker/ so stirbt er der Welt bey lebendigem Leibe schon
ab. Da ist niemand/ der ihn Vater oder Großvater
nennt; niemand/ der ihn unterstützt/ wenn seine Füße
wanken; niemand/ der ihn leitet/ wenn seine Augen
dunkel werden; niemand/ der seiner auf dem Kranken-
lager pfleget/ und mit ihm betet. Er muß es denn
alles mit Geld verlohnen/ und wenn die Stunde des
Scheidens kommt/ muß er noch die Hand bezahlen/
die ihm die Augen zudrückt. So geht es dem Einsa-
men/ wenn er unschuldig wandelt und durch Gebet und
Wachsamkeit den natürlichen Trieb zum andern Ge-
schlecht
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