Becker, Rudolf Zacharias
Noth- und Hülfsbüchlein für Bauersleute oder lehrreiche Freuden- und Trauer-Geschichte des Dorfs Mildheim — Sulzbach in der Oberpfalz, 1789 [VD18 12674052]

Page: 211
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tern versündigen, welche ihre Kinder schlecht erziehen;
indem auch diese beyden Brüder, so wie ihre Schwester,
ins größte Elend geriethen, blos deswegen: weil ihre
Eltern sie nicht in der frühen Jugend zu allem Guten
angehalreu und vor bösen Gewohnheiten bewahrt hat-
ten. Nun hieß es: was Hänschen nicht lernt, lernt
Hans nimmer, und wie Hänschen sich gewöhnt, bleibt
Hans immer. Bey Dem ältesten, der Adam hieß, hatte
es die Mutter darinne versehen, daß sie ihm zu viel Willen
ließ und ihn verzärtelte (verhätschelte): der jüngste aber,
mit dem Vornahmen Paul, war dadurch verdorben,
daß er von beyden Eltern gar zu hart gehalten wurde.
Beyden hatte es auch geschadet, daß ihr Vater ein
gar zu hitziger und grober Mann war. Denn vernünf-
tige Eltern strafen ihre Kinder niemahls im Zorn: son-
dern sie warcen, bis sich die erste Hitze gelegt hat, und
überlegen unterdeffen, wie sie den Kindern das Unrecht,
das sie gethan haben, recht deutlich mit Worten vor-
stellen können. Alsdann thun sie dieses und sagen zu-
letzt: sieh, mein lieber Sohn oder Tochter! damit du
es merkest und solch Unrecht nicht wieder rhust, muß
ich dich strafen. Und da geben sie ihm ein Paar Strei-
che auf den Hintertheil des Leibes; ja nicht an den
Kopf: denn davon werden die Kinder dumm. Auch
Maria, welche doch sonst eine gute Seele war, hatte
es in diesem Stücke versehen. Die meiste Schuld an
dem Verderben der Kinder hatte aber die Aufführung
der Eltern selbst, daß sie ihnen nicht mit ihrem Bey-
spicl im Guten vorgiengen. Denn das hilft mehr als
alles Vermahnen und Strafen. Auf solche Art war
nun Adam, das Muttersöhnchen, ein fauler Tage-
dieb und eine rechte Buttermemme geworden. Des
Morgens war er nicht aus dem Bette zu bringen.
Wenn Regen oder Schneegestöber war, kroch er
hinter den Ofen, zog die Mütze über die Ohren und
O L getraute
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