Becker, Rudolf Zacharias
Noth- und Hülfsbüchlein für Bauersleute oder lehrreiche Freuden- und Trauer-Geschichte des Dorfs Mildheim — Sulzbach in der Oberpfalz, 1789 [VD18 12674052]

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sie wollten doch versuchen, ob sie es ihm zu Dank wachen
könnten; und da machte er ihnen noch folgende Gesinde-
Lehren bekannt, wenn sie eingestanden (anzogcn).
"Erweise deiner Herrschaft Gehorsam, Ehrerbietung
und Liebe, wie ein Kind seinen Eltern erweiset: denn sie sorgt
für dich, wie Eltern für ihre Kinder sorgen.
Sey bescheiden und höflich gegen sie : ein gutesWort kostet *
nicht mehr, als ein grobes,und erwecket doch Gunst und Liebe.
Mache deiner Herrschaft Freude : so hast du wieder
Freude, wenn sie fröhlich und aufgeräumt ist.
Gehorche ihr auf den Punkt und verrichte alles so, wie
sie eS befiehlt: so muß sie mit dw zufrieden seyn, wenn die
Sache auch nicht zum Besten geräth.
Thue, was nötbig ist, ohne Befehl: so wirst du mit dei-
ner Pflicht noch Dank verdienen. Verpflichte dich aber nicht
zu Diensten, dazu dir das Geschick oder die Kräfte fehlen,
damit du nicht mit Schanden bestehest.
Sey ehrlich und treu im Kleinen, wie im Großen ! Wer
Pfenninge stiehlt und Hände voll entwendet, kann auch Tha-
ler stehlen und Metzen (Scheffel) veruntreuen. Die Menge
macht nicht den Dieb, sondern das Mein und Dein, und
ehrlich währe immer am längsten.
Rede auch die Wahrheit, im Kleinen, wie im Großen.
Wer eine Lüge macht, muß noch zehn dazu machen, die erste
zu beschönigen: und wer lügt, ist auf dem Wege zum Steh-
len, der an den Galgen führt.
Behüte deine Herrschaft vor Schaden und Verdruß, wo
du kannst und weißt! Von dem, was ihr widerfährt, fällt
immer auch ein Theil auf dich.
Plaudere nicht aus dem Hause, weder Böses noch Gutes.
Es nutzt niemahls und schadet immer. Eine Magd, die auf
Gassen und Straßen das große Wort führt, findet gute Herr-
schaften gemeiniglich schon versehen, wenn sie sich meldet.
DieFehler derHerrschaft trage mitGedult und thue deine
Pflicht darum nicht weniger. Wenn sie ihr Versprechen nicht
halt,kannst du wob! eine andereHerrschaft suchen: aber so lan-
ge du noch bey ihr bist, darfst du in deinem Dienst nicht lässig
wcrden.Du hast esGott verfprochen,treu und redlich zudienen.
Die Kinder im Hause ehre und liebe, als deines Herrn
Kinder. Thue nichts unrechtes vor ihren Augen, und stär-
ke sie nicht in ihren Unarten.
Feem-
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