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2ZZ
Schwache des Zslters ihn hier auf Erden daran hin-
dere. Ich sprach also von seiner Krankheit und be-
dauerte, daß ihm das lange Liegen wohl sehr beschwer-
lich seyn müsse. Nein, sagte er: das Gefühl von
der Beschwerde nimmt allmähllg ab, so wie die Kräfte
abnehmen, und, setzte er freudig hinzu, ein gur Ge-
wissen, ist ja ein sanftes Aussen» Ueber diesen
schönen Spruch muß ich euch noch einen kurzen Un-
terricht geben. Manche gute Christen denken ost dar-
an und beten darum, daß Gott ihr Gewissen rein
erhalten möge, und ängstigen sich auch zuweilen über
Ließ und jenes, ob es nicht wider ihr Gewissen fey?
A. E. vor dem heiligen Abendmahl, oder vor einem
Eidschwur etwas zu essen, an hohen Festtagen ein
Roth - Geschäft zu verrichten, und dergl. Auch mar-
tern sich einige mit sogenannten Gewissens - Scru--
peln; indem sie zweifeln, ob ihnen Gott gewisse
Sünden, die sie begangen haben, verzeihen und ih-
nen wieder gnädig seyn könne. Man hat grausame
Exempel, daß solche gute, aber einfältige Leute wegen
dergleichen Gewissensscrupel ganz von Sinnen ge-
kommen, oder ihr Lebenlang zu keiner rechten Ge-
müthöruhe gelangt sind. Hernach giebt es auch Mü-
(kensauger und Aameel-Versichlucker, die sich ein
weites oder enges Gewissen machen, je nachdem sie
cs benöthigt sind. Diese denken, wenn sie in einer
und der andern Pflicht recht genau und accurat wären,
als im Kirchengehen, im Beten des Morgen- und
Abendsegens, in der Enthaltung vom Fluchen und
Schwören, im Fasten und dergleichen: so wäre ihr
Gewissen Verwahret, und könnten sie dabey lügen,
betrügen, stehlen und andere Gottlosigkeiten ohne
Furcht verüben. Andere machen einen Unterschied
zwischen großen und kleinen Sünden und bilden sich
ein, Gott richte die Menschen nach Maaß und Ge-
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