Becker, Rudolf Zacharias
Noth- und Hülfsbüchlein für Bauersleute oder lehrreiche Freuden- und Trauer-Geschichte des Dorfs Mildheim — Sulzbach in der Oberpfalz, 1789 [VD18 12674052]

Page: 261
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M das ganze Jahr hindurch, erfordert auch eben
fs viele Klugheit und Ueberlegung, als der Ackerbau:
wenn sie Nutzen bringen soll. Und weil dabev öfter
Mißjahre vorfallen: so gewinnen blos die reichen Be-
sitzer, die den Wein lange liegen lassen können. Der
Mittelmann muß in schlechten Jahren dieselben Ko-
ssen daran wenden, wie in guten; muß also borgen,
damit er leben kann. Kommt nun ein guter Herbst:
so muß er sogleich verkaufen und gewinnt wenig dabey.
Die Taglöhner stehen sich aber in Weinlandern gut:
weil alle Arbeiten beym Weinbau, ein Jahr wie das
andere, geschehen müssen, wenn auch keine Traube
an den Stöcken ist.
Im Ober-Rheinischen Rreise hat der Chur-
fürst von der Pfalz einen Theil seiner Länder. Fer-
ner die Bischöfe von Speyer, Worms, Fuld,
Straßburg und Basel; die Landgrafen von Hes-
sen-Rassel und Darmstadt; der Herzog von Zwey-
Lrücken, die Fürsten von Nassau-Saarbrücken,
Nassau - Ustngen - und Weilburg und Nassau-
Oranien; der Fürst zu Salm und der zu Wal-
deck, die Grafen von Leitungen, von Solms,
von Isenburg, von wirgenstein und die Rhein-
grafen. Auch liegen darinne die freyen Reichsstädte
Speyer, Worms, die große und reiche Stadt
Frankfurth am Mayn, wo der Kaiser gewählt
und gekrönt wird; auch Friedberg und Wetzlar:
in welcher letztem Stadt das kaiserliche Reichs-
Rammergerichr ist.
Die Pfalz ist ein Land wie ein Paradies. Da
sieht man alle Arten von Klee und andern Futterkräu-
tern. Ganze Dorfschaften füttern ihr Vieh im Stalle
und lassen keine Handbreit Land zur Trift liegen. An
vielen Orten weiß man nichts von der Brache, und
die Aecker tragen ein Jahr so reichlich, als das andere.
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