Becker, Rudolf Zacharias
Noth- und Hülfsbüchlein für Bauersleute oder lehrreiche Freuden- und Trauer-Geschichte des Dorfs Mildheim — Sulzbach in der Oberpfalz, 1789 [VD18 12674052]

Page: 316
DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/becker1789/0324
License: Public Domain Mark Use / Order
0.5
1 cm
facsimile

Wie ist sein Stuhlgang, ist er grünliche wie Meer-
linsen, oder wie gehackte Eyer? riecht er sehr sauer?
Geifert es viel, und fährt es ost mit dem Finger
nach dem Munde?
Wie viel Zahne hat es? Hat es bey dem Zahnen
viel zu leiden?
Ist es nicht geknüpft, oder unterwachsen? hat dop-
pelte Glieder?
Hat es die Pocken (Blattern) gehabt? und die Mas
fern (Flecken) ?
Gehen Würmer von ihm ab?
Hat es einen dicken Bauch?
Ast der Schlaf ruhig? oder fahrt es zusammen im
Schlaf?
Schreyt es viel, oder ist es stille?
Was bekommt es zu essen und zu trinken?
Hat es starken Hunger, besonders nach trocknen?
Brode und trinket es sogleich früh?
Hat es Ausschlag am Kopf, oder hinter den Ohren?
Auf diese Fragen muß der Boche dem Arzte münd-
lich oder schriftlich Bericht geben können: damit er
daraus muthmaßen könne, was es für eine Krank-
heit ist. Vom Wasser oder Urin kann man ihm auch
eine Probe mit schicken: weil er daraus steht, ob die
Krankheit zu-oder abnimmt."
Von diesen Fragen meynten einige Anwesende im
Konvent: cs würde manchen Bauersleuten schwer
fallen, sich auf so vieles zu besinnen, und manche
könnten nicht deutlich genug schreiben. Der Herr
Pfarrer nahm aber das Wort und sagte: wenn eins
von meinen Pfarrkindern krank wird, so will ich alle-
zeit gern den Bericht an den Arzt nach diesen Fragen
oufsetzen; jedoch müssen die Leute auf Reinlichkeit
rind gesunde Luft in den Krankenstuben halten, wenn
ich sie darinne besuchen soll. Darauf las der Amt-
mann weiter:
" Weil aber der menschliche Leib so sehr künstlich
Zebaut ist: so muß man nicht denken, daß eine jede
Krank»
loading ...