Becker, Rudolf Zacharias
Noth- und Hülfsbüchlein für Bauersleute oder lehrreiche Freuden- und Trauer-Geschichte des Dorfs Mildheim — Sulzbach in der Oberpfalz, 1789 [VD18 12674052]

Page: 379
DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/becker1789/0387
License: Public Domain Mark Use / Order
0.5
1 cm
facsimile


t

fH

Z79

zu stehen, und man thut besser, sich vom Regen durchnassen
zu lassen und etwa 8 Schritte weit von einem Baume stehen
zu bleiben. Ist gar kein Baum und sonst nichts hohes in
der Gegend, und die Gewitterwolke ist gerade über dir: so
lege dich platt auf den Boden hin. Bist du zu Pferde, oder
mit einem Wagen im Felde, so siehe, wie du die Pferde et-
wa anbindest/ und stelle dich 8 Schritte weit davon; wenn
nähmlich das Gewitter chon gerade über dir ist: sonst jage
lieber nach dem nächsten Dorfe, ehe es so nahe kommt.
2) Zu Hause setze oder stelle dich während des Gewitters
an keine Wand, keinen Schornstein, Ofen und dergleichen;
auch nicht in die Hausthür: sondern in die Mitte der Stube,
und noch lieber in die Hausflur (in den Tennen, Hausähre.)
Die Fenster laß offen, und wenn der Regen dieses verwehrt,
wenigstens die Stubenthür: damit du nicht vom Dunst ersti-
ckest, wenn es einschlagen sollte. Hast Lu viel Metall an dir,
z. E. metallene Knöpfe und dergleichen, so lege es ab.
z) Mache kein Feuer an: weil der aufsteigende Rauch
den Blitz leiten könnte, daß er das Haus träfe.
4) Solche Vorsicht ist nicht nöthig, und man braucht
sich gar nicht zu fürchten, wenn das Gewitter nicht sehr
nahe ist. Man kann aber wissen, wie weit es entfernt ist,
wenn man Acht hat, wie bald der Knall hinter den Blitz
drein kommt. Wenn man dazwischen noch 6 bis io Puls-
schläge zählen kann: so ist der Ort, wo die Gewitterwolke
das elektrische Feuer von sich giebt, noch eine halbe Stunde
entfernt, und es hat keine Gefahr. Geschieht aber Blitz und
Schlag eher hinter einander: so ist Vorsicht nöthig.
Die Gebäude zu verwahren, daß der Blitz keinen
Schaden daran thue, hat Benjamin Franklin die
Blitz - Ableiter erfunden. Diese bestehen aus einer
eisernen Stange mit scharfen vergoldeten oder kupfer-
nen Spitzen, welche auf dem Forst des Daches oder
auf der Thurm - Spitze aufgerichtet wird. Ans Ende
dieser Stange wird ein kupferner Streif oder^ Draht
angenietet, der auswendig am Gebäude herunter geht,
bis in die Erde. Wenn nun eine Gewitter - Wolke
eben über dem Hause ihr elektrisches Wesen ausgießt:
so fließt es gleichsam an dem Metall sacht herunter
bis
loading ...