Becker, Wilhelm Gottlieb [Editor]
Neue Garten- und Landschafts-Gebäude — Leipzig, 1798-1799

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Käste Platte.

Ein Waldhaus;

Uieses Gebäude ist nur für eine waldichte Gegend bestimmt, in welcher man ein Obdacli wünscht, um
zuweilen in dem Schatten derselben einen Theil des Tages zubringen zu können. Steht die Waldun<*
mit einer Garten - ähnlichen Anlage in Verbindung, so ist ein solcher Zufluchtsort um so zwekmäfsiger.
Indessen kann dieses Gebäude auch in einer dunklen, aber aus Nadelholz bestehenden Garten - Parthie
angewendet werden, welche Gattung von Gehölze in den Verzierungen überhaupt angenommen ist. Die
Kosten, welche die Errichtung desselben erfordert, sind nicht erheblich. Es wird von gehobeltem Holze
gebaut und mit Rinde beschlagen; die Bogen hingegen und die dazwischen befindlichen Blatter auf der
Vorlage, so wie der Sims und der scheinbare Schlufsstein, bleiben unbekleidet. Das Uebrige der Vorlage
wird mit einer leichtern Rinde, z. B. mit Birkenrinde beschlagen, damit sie von der dunkleren Rinde
der Hinterlage absticht. Das Dach wird mit Schindeln oder Brettern gedeckt, die dunkelgrau angestri-
chen werden, und die schirmartigen Dächlein können entweder von natürlichem Holze seyn und braun
angestrichen, oder auch mit Rinde beschlagen werden; doch ist es besser, sie anzustreichen, weil die
Rinde in einer solchen Lage eher verfault. An den kleinen Dächlein werden rings herum Tannenzapfen
genagelt, und auf der Spitze eines jeden drei oder fünf Tannenzapfen dergestallt an einander befestiget
dafs die Spitzen derselben in die Höhe stellen und eine Art von Blume formiren. Die Unterlage oder
die Solobank der halbrunden Fenster bleibt ebenfalls in der natürlichen Farbe des Holzes. Zierlicher
würde die Bekleidung mit Rinden sich ausnehmen, wenn sie stückweise in keilförmiger Richtung nach
einem Mittelpunkte gerichtet würden, der sich bei den Fenstern von selbst ergiebt, aber bei den Thüren
wie bei einem scheitrechten Bogen willkührlich angenommen werden mufs. Der ganze um das Gebäude
herumlaufende bedeckte Gang, welcher hinlänglichen Schutz wider die Sonnenhitze giebt, ist, so wie <Jie
Stufen, von Stein.

Der innere Raum enthält, wie der Grundrifs besagt, einen Saal, der ebenfalls mit Rinde, Stroh
und Tannenzapfen ausgeschlagen und verziert werden kann, wenn man ihn nicht lieber, ohne sich an
die Aussenseite zu kehren, auf eine gewöhnliche aber sehr einfache Art einrichten will. Da das Dach
inwendig vielen Raum übrig läfst, der ohuediefs nicht -wohl benützt werden kann, so könnte der Saal
ein verschaltes muldenartiges Gewölbe erhalten.

Zweite Platte

a und b.
Ein landliche s Gar ten seb äude.

a. Dieses Gebäude ist zu einem pittoresken Gartengebäude für eine niedrige und ruhige Lage
bestimmt. Das Haus selbst wird aus Holz aufgeführt, die Füllungen hingegen, oder das Fach werk, wer-
den mit Bruchsteinen, wie sie in der Gegend gefunden Werden, ausgefüllt, und trocken in Moos
gemauert; inwendig aber wird das Gebäude wie gewöhnlich mit Kalk beworfen und nach ländlicher Art
tapeziert oder ausgemalt. Es steht auf einer natürlichen oder natürlich scheinenden Terrasse, die ein
rohes Gemäuer verräth, aber nicht schlechterdings zum Gebäude erforderlich ist; doch müfste, wenn die-
selbe wegfallen sollte, die Zocke alsdann höher werden, und ein paar Stufen müfsten zu den Säulen
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