Becker, Wilhelm Gottlieb [Editor]
Neue Garten- und Landschafts-Gebäude — Leipzig, 1798-1799

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Vorsprung, der glatt gearbeitet ist, befindet sich die Tliüre. Das ganze Gebäudchen ist mit einem
Gurtsims umzogen, über welchem sich ein halbrundes Fenster zeigt; auf der Spannungsseite hingegen
sind deren drei. An der obern Zocke des Risalits sind einige Blätter von erhobener Arbeit angebracht.
Unstreitig würde sich dieses artige kleine Gebäude in einer ruhigen und schattigen Gartenparthie recht
gut ausnehmen.

Der Grundrifs enthalt, beim Eintrit in das Gebäude, ein kleines Vorhaus, welches von oben
durch das halbrunde Fenster an der Facade erleuchtet wird. Zur Rechten desselben ist ein Gemach,
wo sich der Kessel zum Heifsmachen des Wassers befindet, und zur Linken ein anderes, wo der Wasser-
trog steht und die Heizung des Badestübchens geschieht, welches ebenfalls sein Licht von oben erhält.
An der hintern Seite desselben befindet sich das Bad, welches gemauert werden oder auch nur in einer
Badewanne bestehen kann, zu der man ein paar Stufen hinabsteigen mufs. Sowohl das warme als das
kalte Wasser wird unter dem Fufsboden durch Röhren in die Wanne geleitet, so dafs man immer nach
Belieben von dem einen oder dem andern zulassen kann.

Wollte man dieses Gebäudchen nicht als Bad, sondern als ein blofses Gartenhäuschen benutzen,
so darf man nur die Scheidewände mit der innern Einrichtung herausnehmen, und es wird auch zu
einem solchen Gebrauch völlig geschickt seyn.

Zwölfte Platte

a und b.

oiei

Ein kleines Landhaus von der Gartenseite.

a. Die Faqade dieses einfach verzierten Gebäudes macht eine sehr angenehme Wirkung.
In der Mitte desselben trit aus den verschiedenen Massen ein Risalit hervor, in welchem sich die
Thüre befindet, die in den Saal führt, zu welchem man drei Stufen zu steigen hat. Der obere Fron-
ton ist in seinem Tynrpanum oder Giebelfelde mit einem Basrelief verziert. Die über die Spitze des
Frontons erhobene Verblendung oder Zocke, die dem Gebäude ein edleres Ansehn giebt und dem Auge
einen grofsen Theil des hohen Dachs verdeckt, ist an ihren Enden mit Vasen versehen. Das Observa-
torium oder Belvedere hat auf allen vier Seiten Ausgänge, und man mufs, um die Gegenden zu bese-
hen, aus jedem besonders hinausgehen, weil der Grund keinen breiten Umgang gestattet. Damit die
Rauchfange und der daraus aufsteigende Rauch dem Beobachter nicht beschwerlich fallen, hat der
Erfinder sie mit vieler Geschicklichkeit durch die Schäfte des Aufsatzes hinauf geführt, so dafs sie sich
erst in dem Dache desselben öffnen. Auf den beiden Spannungsseiten hat das Observatorium einen
Fronton, welches mit der vorgestellten Seite einen Contrast macht, weil an den Spannungsseiten des
Hauptgebäudes kein Fronton vorhanden ist. Der Hauptsims, an dem mittlem Theile desselben, ist ohne
Fries, und auf einem Architrav ruhend vorgestellt; und hinter der Verblendung und dein Fronton, der
mit dem Dache in keiner Verbindung steht, sind einige Dachfenster zur Erleuchtung der auf das Obser-
vatorium führenden Treppe angebracht. Der Gurtsims macht in gleicher Richtung den Hauptsims des
Stall - und Küchengebäudes aus. Die an das Hauptgebäude zu beiden Seiten stofsenden Massen sind
die Verbindungsgänge der Küche zum Hause und des Hauses zum Stalle. Aus diesen Gängen führen
in der Rückwand zwei Thüren über drei Stufen hinab in den Garten. Die Gänge scheinen, von der
Gartenseite betrachtet, wie gegenwärtige Fac,ade zeigt, gar kein Dach zu haben; allein dasselbe fallt
nur einseitig nach der entgegengesetzten Hofseite hinab. Das Küchen - und Stflllgebäude springt etwas
hervor, und in den in der Mitte befindlichen Nischen können passende Statuen oder Vasen stehen.
Das auf dem Dache befindliche Postament ist die schmale Seite einer fortlaufenden Zocke, aus welcher
sich Zuglöcher vom Stall und Rauchfänge von der Küche und den Oefen emporheben.

b. Wenn man, vom Garten aus, die drei vorgelegten Stufen erstiegen hat, und durch die
Thüre gegangen ist, so trit man in einen kleinen Saal oder vielmehr in ein grofses Gesellschaftszimmer,

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