Becker, Hanna Luise; Altdorfer, Albrecht [Ill.]
Die Handzeichnungen Albrecht Altdorfers — München, 1938

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der Zeichnung verfolgl werden soll, so zeigt der Heilige Georg von
iöi2 (Berlin) etwa die Richtung, in der sich eine Festigung die-
ser aufgelösten Zeichenmanier in einer Hinwendung zur erfüllten
Form vollzieht.

Neben den „Waldmenschen“ und der „Sebastiansmarter“, die
in einer besonderen Beziehung zueinander und als wesentliche
Stufen in der Entfaltung des zeichnerischen Stils Altdorfers an-
gesehen werden, finden sich innerhalb der Jahre i5io/ii eine
Fülle von Zeichnungen, die einen reich ausgestalteten landschaft-
lichen Schauplatz geben. Dem Inhalt nach sind es Yorgänge aus
der biblischen Geschichte, Heiligen-Darstellungen oder Szenen
aus dem Ritter- und Landknechtsleben, die nach der besonde-
ren Art der Strichführung und der weißen Höhung und nach
der wechselnden Farbe des Grundes, in einer verschieden gestal-
teten Umgebung stehen; dunkle Waldgründe oder helldurchlich-
tete Landschaften bestimmen die Wirkung der einzelnen Blätter.
In dieser Verschiedenartigkeit erweisen sich nur wenige Zeich-
nungen als eng zusammengehörig, sodaß bei dem allgemeinen
gleichen Grundklang sich keine eigentlichen Gruppen bilden. 5

5 Tietzes Ordnung (Albrecht Altdorfer, 1923, S. 49) der frühen Zeieh-
nungen Altdorfers in drei sich mehr oder weniger überschneidenden Grup-
pen ist im Einzelnen nicht anzuerkennen, wenn ein verwandter „Stimmungs-
gehalt“ auch für einen gleichgerichteten zeichnerischen Stil maßgebend sein
soll. Zur ersten Gruppe von Zeichnungen in „volkstümlicher Wildheit und
Frische und verblüffender Drastik“ gehört die Nikolauszeichnung Oxford,
für die diese Charakterisierung sicher zutrifft. Dazu aber auch die Ölberg-
zeichnung (Berlin) und das Katharinen-Martyrium (München). Die Berliner
Zeichnung ist in der Auffassung und im Landschaftlichen von sehr viel be-
ruhigterem Ausdruck: dünne Strichlagen ohne scharfe Gegensätze. Die Ka-
tharinen-Zeichnung gehört in ihrer befangenen, nicht sehr glücklichen Kom-
position, auch der Anlage nach, wohl in die Nähe der Ölberg-, aber nicht der
Nikolauszeichnung. Diese ist breiter im Strich und eher mit. dem gleichzeiti-
gen Wi'lden Mann (London) zu sehen.

Zur zweiten Gruppe eines „preziösen Stils“ — die in der Hauptsache
durch Zeichnungen ähnlichen Sujets bestimmt wird — soll neben der Aus-
reitenden Edelfrau (Dessau), die Ritterliche Szene (Berlin) und die
Bannerträgerin (Haarlem) von 1512 gehören. Alle drei Blätter sind in
der Auffassung des Gegenständliehen verschieden und aueh in der Zeichen-

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