Blümner, Hugo
Archaeologische Studien zu Lucian — Breslau, 1867

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Vorwort.

1/ass Lucian einer der ersten, wo nicht der bedeutendste Kunst-
verständige uud Kunstkenner unter den uns erhaltenen Schriftstellern
des Altertimms ist, ist eine schon lange anerkannte, mehrfach aus-
gesprochene Thatsache.1) Keinem, der die Beschreibung der Kindischen
T7" - in den "EgaTsg kennt, der die Schilderung des Aetiontischen
'des der Hochzeit des Alexander und der Rhoxane oder der Cen-
>m-Familie des Zeuxis gelesen hat, wird es entgangen sein, welch
itendes Talent Lucian für die archäologische Exegese besass; viele
amtiere Stellen zeigen uns sein richtiges und treffendes Urtheil über
einzelne Künstler sowohl, wie über ganze Kunstepochen. Man hat,
wenn man aut dieses Kunstverständniss des Lucian aufmerksam machte,
dabei zuweilen betont und gewissermassen als Erklärung dafür angegeben,
dass Lucian ja selbst Bildhauer gewesen sei,2) wenn auch nur kurze
Zeit, und dass ja auch seine beiden Oheime und sein Grossvater mütter-
licher Seite diese Kunst betriehen hätten; aber mit Unrecht. Wenn
Lucian von seiner kurzen Thätigkeit als Bildhauer (— richtiger würden
wir wohl „Steinmetz" sagen, denn der gute, im ,.Traum" so vor-
trefflich geschilderte Oheim, der gleich mit dem Prügeln bei der Hand
ist, wird trotz der schmeichelhaften Anspielungen der 'EQiLöylvq>L%rj
auf Phidias und Polyklet den Namen „Künstler',' hi unserm Sinne wohl
seh .verlieh verdient haben —) etwas, profitirt .'hat, so ist es nur die
Kenntniss der Technik, die wir bei ilinr finden; aberdie^Kenntniss der
Kunstgeschichte hat er sich, wie das bei seiner sonstigen gründlichen
Bildung natürlich ist, ohne Zweifel selbst erworben; und Kunstver-

') Vgl. Em. Braun, Neue Jahrb. f. Phil. u. Pädag. 1854 n. 69 S. 279: „Von
allen alten Kunstschriftstellem hat Lucian das tiefste Verständniss dessen, was
die eigentlich künstlerische Erscheinung ausmacht."

2) So z. B. Welcker, Alte Denkm. I., 420.

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