C. G. Boerner, Auktions-Institut, Kunst- und Buchantiquariat <Leipzig> [Editor]
Sammlung kostbarer alter Kupferstiche, Holzschnitte und Radierungen des in Mannheim verstorbenen Dr. ing. h. c. Carl Gaa: ferner dessen Spezialsammlung von Stichen und Radierungen des Georg Friedrich Schmidt ... ; Versteigerung am Mittwoch, den 5. und Donnerstag, den 6. Mai 1926 — Leipzig, 1926

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VORREDE

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unter eine Apokalypse in der frühen Ausgabe von 1498 mit dem seltenen Texttitel ohne den
Holzschnitt, von unerhörter Schönheit. Die Holzschnitte sind besonders gewählt und stammen
vielfach aus Vincent Mayers Sammlung in Freiburg i. B. Unter den Stichen ragt das Wappen
mit dem Hahn aus der Sammlung v, Seydlitz hervor, in einem fabelhaften Exemplar mit
breitem Rand, wohl das schönste, das je im Handel vorgekommen.

Unter den 10 Cranach-Blättern ist besonders das Kupferstichbildnis Albrechts von
Mainz, B. 4, von seltener Schönheit und von den Holzschnitten die Ruhe auf der Flucht,
B. 3, in Clair-obscur aus der Sammlung v. Lanna hervorzuheben. Von den nicht eben zahl-
reichen Blättern der Kleinmeister seien hier Altdorffers berühmte Holzschnitte: Der Kinder-
mord, B. 46, und das Taufbecken, B. 59, in Prachtdrucken genannt, von Barthel Beham das
köstliche Bildnis Karls V. in einem frühen Zustand, von Hans Sebald die seltene Radie-
rung des Sackpfeifers, P. 197, in einem ungewöhnlich schönen Druck und der Holzschnitt
des Frauenbades, P. 1223, in einem prachtvollen, wirklich einmal alten Druck aus der Samm-
lung v. Lanna, wie ihn selbst Pauli nicht namhaft zu machen weiß. Auch von Leinbergers
seltenen Stichen mögen die Engel mit den Passionswerkzeugen, B. 2, der h. Georg, B. 3, und
der Amor auf der Kugel, B. 6, in brillanten Drucken erwähnt sein. Von Burgkmairs Holz-
schnitten nenne ich die Bathseba, B. 5, und Aristoteles und Phyllis, B. 73, das ungemein seltene
Clair-obscur mit dem Paar und dem Tod, B. 40, und den Maximilian von 1518, B. 32,
von denen Hans Baidung Griens den Johannes, B. 31, und den Leichnam Christi, von
Engeln zum Himmel getragen. Von Hirschvogel sind leider keine Landschaften vorhanden,
dafür aber eine außerordentlich gleichmäßige Konkordanz in kostbarem, gleichzeitigem gepreßten
Ledereinband von 1542 und von Lautensack vier herrliche Landschaften aus den Samm-
lungen Goldschmidt und Davidsohn.

Ebenso sind die niederländischen Meister glänzend vertreten. Von den etwa 20 Blättern
von Lucas van Leyden ist das Milchmädchen, B. 158, als außergewöhnlich zu nennen, von
Goltzius mehrere wundervolle Porträts. Das vortreffliche Bega-Werk enthält etwa 30 Radie-
rungen, vielfach im ersten Etat. Everdingen ist nur mit 15 allerdings ausgewählt schönen
Drucken vertreten, Bol mit 6 Blättern, dabei der seltene Philosoph, B. 6, von Davidsohn.
Die Radierer van der Koogen, Backhuysen, Berghem, Köninck, van den Hoecke, Both und
Breenberg sind in mit feinem Geschmack ausgewählten Beispielen vorhanden, ebenso van Uden,
Ruysdael, Saftleven, Verboom, Vlieger, Savery, Vliet und Waterloo.

In dem beinahe vollständigen Ostade mit einer Fülle der feinsten Ätzdrucke nimmt der
Maler im Atelier, B. 32, in dem Zustand vor der Unterschrift, der selbst bei Davidsohn fehlte,
den ersten Rang ein. Diese Kostbarkeit stammt aus der Sammlung v. Lanna.

Und schließlich Rembrandt mit 120 Blättern von erlesener Schönheit! — Um nur
die köstlichsten Hauptstücke zu nennen, seien hier der Mardochai, B. 40, die Verkündigung,
B. 44, die Rückkehr aus Ägypten, B. 60, Christus predigend, B. 67, das wundervolle große
Ecce homo, B. 76, im vierten Zustand, noch mit der Figurengruppe unten, die drei Kreuze,
B. 78, die Grablegung, B. 86, der h. Hieronymus, B. 103, die Bettler an der Haustür,
B. 176, die Ansicht von Amsterdam, B. 210, die Windmühle, B. 230, und vor allem die
Hütte mit dem Heuschober, B. 225, in einem zauberhaft schönen Abdruck genannt. Endlich
der Faust, B. 270, der Anslo, B. 271, ganz ungewöhnlich in seiner Tonfülle der Silvius predigend,
B. 280, die Judenbraut, B. 340, und die Mutter Rembrandts, B. 343.
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