Bötticher, Carl
Bericht über die Untersuchungen auf der Akropolis von Athen im Frühjahr 1862 — Berlin, 1863

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chen eines Stereobates gefunden, welche verrathen dafs sie
zur Aufgründung monumentaler Werke gedient haben.

Schliefslich möge noch auf einen Umstand aufmerksam
gemacht sein der bedeutsamer ist als es scheint. Auf der
Cellenwand unter dem Peripteron, zwischen den östlichen und
westlichen Anten, ist das Epistylion nicht herumgeführt. Des-
halb ist auch weder eine Tropfenregula wie man sie am Par-
thenon sieht, noch ein Zophorus jemals vorhanden gewesen.
Diese wie andere Anomalien an welchen das Monument reich
ist, könnten auf seine Gründung nach dem Parthenon hinwei-
sen, ohne dafs der Charakter seiner Sculpturen dem entgegen
wäre. Fiele sie früher als der Letztere, dann bewiese die
schon völlig frei gewordene Sculptur, dafs nicht erst vom Pbei-
dias der Weg zu sochem Charakter gebrochen sei, oder aber
die Reliefs würden nach des Pheidias Auftreten erst eingefügt
worden sein.

VI.

Tempel der Athena-Polias.

Nicht blofs bei der ersten prüfenden Wanderung durch die
Monumente Athens fielen mir gleich zahlreiche Marken und
Ueberbleibsel von Structurvorrichtungen in die Augen, von
welchen die meisten in ihrer besondern Bestimmung deswegen
dunkel waren, weil bis dahin weder Notiz davon genommen
noch Auskunft darüber gegeben war; es kamen bei der Auf-
dekkung irgend eines Theiles in einem Monumente stets neue
Marken dieser Art zum Vorschein welche bis hierher verdekkt
gelegen hatten. War mithin die Erklärung derselben erst zu
gewinnen, dann konnte diese nur durch gleichzeitige Auf-
suchung und fortwährende Vergleichung alles Aehnlichen oder
Gleichen in allen Monumenten herbeigeführt werden, so dafs
die Tagesordnung gewöhnlich ein Arbeiten auf mehren Orten
zu gleicher Zeit gebot. Das ist die Ursache gewesen welche
mich aufser Stand setzte die Untersuchung eines Monumentes,
ja oft nur eines seiner einzelnen Theile ununterbrochen zu
Ende führen zu können. Mitten in solche Beschäftigung griff
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