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Buchner, Ernst; Jantzen, Hans [Honoree]
Das deutsche Bildnis der Spätgotik und der frühen Dürerzeit: [Hans Jantzen zum 70. Geburtstag] — Berlin, 1953

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https://doi.org/10.11588/diglit.31127#0187
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ruhen, und blickt zu ihm hinaus und hinunter. Eine anmutige, schwäbische Landschaft mit Dorfkirche,
Fünffingerturm, Kugelbäumen und weißlichem Horizont, über dem der Himmel blaut, schließt das Paar
zusammen. Trotz der Härten des räumlichen Gefüges und den Ungelöstheiten der Gebärden eignet dem
stillen, innigen Hochzeitsbild doch ein eigener, volksliedhafter Zauber. Die stark an Strigelsche Farb-
klänge gemahnende Malerei ist licht und weich, die behutsame Charakterisierung der hellen, weißlich-
rosigen Gesichter wirkt überzeugend. Das wohlgestellte Bürgerpaar ist stattlich gekleidet. Er trägt über
der schwarzen Schaube einen breiten, hellen, in sandfarbigen Tönen spielenden Pelz, der ein Stück des
reich gemusterten Brustlatzes und den blanken Hals sehen läßt. Lindes, seidiges Lockenhaar, auf dem
das flache, schwarze Barett sitzt, umspielt die hageren Züge mit den sinnend blickenden, weit vonein-
ander stehenden Augen, der schmalen, vorspringenden Nase und dem kräftigen Kinn. Die großen Hände
merkwürdig ungelenk. Köstlich, wie der Schwung der Ballonhaube das pfiffige, an ein Spitzmäuschen er-
innernde Gesichtchen derFrau rahmt. Es ist gut, daß das senkrecht fallende Haubentuch den sehr statt-
lichen Nacken und Halsausschnitt durchschneidet und zum Teil verdeckt, denn der Kontrast der breit sich
wölbenden Schultern und des schlanken Halses wirkt fast peinlich. Sie trägt ein weit ausgeschnittenes,
schwarz 'gesäumtes Kleid; auf der golddurchwirkten Borte des Brusteinsatzes flankieren zwei Vögel einen
Strauch. Hart quert der rechte Oberarm den Mauerausschnitt; die rechte Hand läßt der Meister, der sich
mit Händen sichtlich schwer tut, liebendgerne hinter der Mauerkante verschwinden.

Der etwas schwerfällige, im Raumgefühl unsichere, biedere und treuherzige Meister, dessen Stärke in
der Farbe liegt, gehört in den engeren Umkreis Bernhard Strigels. Ein etwas später gemaltes Bildnis einer
Frau in Landschaft, das ihm zugewiesen werden darf, befand sich früher in Berliner Privatbesitz.

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