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Christlicher Kunstverein der Erzdiözese Freiburg [Hrsg.]
Christliche Kunstblätter: Organ des Christlichen Kunstvereins der Erzdiözese Freiburg — 11.1872

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https://doi.org/10.11588/diglit.7189#0017
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Chriſtliche

Kunſtblätter.

Organ des chriſtlichen Kunſtverems der Erzdiöceſe Freiburg.

(Beilage zum Freiburger Kirchenblatt.)

Nro. 125.

omine dilexi decorem domus tuae. Ps. 25, 8.

1872.

Die Kirche in Rippoldsau.

Bewegung und Leben; pulſirend geht der große Moment, da
der Heiland mit ihnen ſpricht, durch Kopf und Herz. Der
eine zeigt Jntereſſe, der andere iſt ſchon halb gewonnen, der
dritte iſt eine rein hochmüthige Negation, ein vierter lehnt an
der Wand, wohl mit dem Gedanken ringend: ,,Dieſer wird
uns zu Grunde richten.'' Jeſus ſitzt, ſinnig aufgefaßt, auf
zwei Folianten. ,,Ja, die Weisheit der Welt iſt Thor-
heit vor Gott.'' Mit dem Ernſt auf dem Angeſicht ſpricht
doch in ſchöner Harmonie die Kindlichkeit, die jetzt ſchon Alle
mit Liebe umfängt. Die Eltern kommen gerade zur Thüre
herein, ſtaunend, doch unverzagt. Wie nahe liegt der Gedanke:
Jn der Religion und im heiligen Glauben finden ſich ſo viele
Menſchen wieder, wenn ſie aufrichtig ſuchen.

Auch der architektoniſche Theil des Bildes iſt ſchön durch-
geführt, ohne den Farbenklang der Hauptfiguren zu ſtören.

Jm Laufe dieſes und des vergangenen Jahres wurde die
hieſige, in Bauart einfache Kirche gebaut im Styl vom
Jahre 1828 — einer Reſtauration unterworfen, die das
ſchmuckloſe Jnnere derſelben nur zu ſehr verlangte. Der erzb.
Bauinſpector Engeſſer leitete dieſelbe mit vieler Umſicht und
künſtleriſchem Geſchmacke. Das Jnnere erhielt eine grünlich-
graue Sandſteinfarbe mit entſprechender Feldereintheilung, ge-
ſchmückt mit einer Ornamentik, die in ihren Formen und
Gliederungen einen wohlthuenden, weil mit dem ganzen innern
Bau harmoniſchen Eindruck machen. Links und rechts an den
Fenſterpfeilern des Langhauſes treten die vier abendländiſchen
Kirchenväter, die hl. Ambroſiue, Auguſtinus, Gregor
der Große und Hieronymus, dem Beſchauer entgegen.
Dieſe in Holz geſchnitzten, in farbiger Faſſung ausgeführten
Figuren ſind in würdigſter und künſtleriſch-tüchtiger Weiſe dar-
geſtellt und machen ihrem Meiſter, dem rühmlichſt bekannten
Bildhauer Hrn. Reich in Hüfingen, alle Ehre. Beſonders ſchön
iſt Auguſtinus. Tiefer Geiſt und reiches Gemüth, getragen
von innerm Gottesfrieden, ſprechen aus ſeinem Geſicht, daß
man meint, eben taucht er die Feder ein, um die letzten Ge-
danken niederzulegen zu ſeinem großen Werke: Civitas Dei.
Der hl. Gregorius hat den Kampf jener gewaltigen, freilich
in der Kirche noch jungen Zeit: ,,Ob Morgenland oder Abend-
land'', ausgekämpft. Gottvertrauend faßt er den Hirtenſtab
feſter in die Hand und ſchaut wie mit prophetiſchem Blick in
die Zukunft, Ernſt und Milde im Geſicht. Aehnlich ſprechen
für ihre Zeit und Geſchichte die hl. Ambroſius und Hieronymus.

Das andere Gemälde über dem Joſephs-Altar von dem-
ſelben Maler ſtellt die Schlüſſel-Uebergabe vor. Das
ganze, wie das andere ſchon erwähnte, in lebensgroßen Figuren
ausgeführte Gemälde macht in Compoſition und Farbe einen
ſehr wohlthuenden und erbauenden Eindruck. Sprechend ſchön
ſind die Geſtalten: Chriſtus in weißem Gewand als Haupt-
und Mittelfigur, voll Hoheit und Würde. Unbekümmert um
das nimmermüde Toben der Welt, ſteht er unter ſeinen Jün-
gern, als wollte er zugleich ſagen: ,,Fürchtet euch nicht,
ich habe die Welt überwunden.'' Petrus kniet vor ihm
und übernimmt die Schlüſſel; Geſicht und Haltung ſprechen
Kraft, Hingebung und Entſchloſſenheit aus.

Jm Chore auf dem Hochaltar ſehen wir das Bild der
Auferſtehung Chriſti, im Jahre 1861 von Hofmaler
Dürr von Freiburg ausgeführt. Der Heiland tritt, aus dem
Grabe auferſtehend, mit der Siegesfahne in der Hand gleichſam
vorwärts der Gemeinde entgegen, als wollte er ſagen: Wozu
das viele Weh und Ach in der Welt, laſſet euch ihr Gläubige
nicht niederbeugen! ,,Jch bin die Auferſtehung und
das Leben, wer an mich glaubt, wird leben, und
jeder, der lebt und an mich glaubt, wird in
Ewigkeit nicht ſterben.''

Ueber den beiden Seitenaltären ſind die zwei großen, von
Maler Lutz in Freiburg in enkauſtiſchen Farben ausgeführten
Gemälde. Das eine uber dem Muttergottes-Altar ſtellt den
zwölfjährigen Jeſus im Tempel dar, ſitzend unter
den Lehrern des Volkes. Jn Compoſition und Farbe
verdient dieſes Bild entſchieden den Vorzug vor dem über dem
Joſephs⸗Altar und zeugt von ächt künſtleriſcher Begabung. Die
Köpfe der Phariſäer und Schriftgelehrten ſind voll Ausdruck,
 
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