Dell, Josef
Das Erechtheion in Athen: bauanalytisch, unters., erkl. u. ergänzt — Brünn [u.a.], 1934

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Bauanalytische Untersuchung der Ruine.

Die wertvollsten Aufschlüsse zur Gewinnung der ehemaligen Gestaltung
des perikleischen Baues gibt aber ohne Zweifel die Untersuchung der Ruine
selbst. Es wird daher eine fachgemäß durchgeführte Analyse die nötigen An-
haltspunkte liefern, die dann, im selben griechischen Sinne fortschreitend, Kon-
struktionen verlangen werden, die weiterhelfend bis ans Ziel führen. Die Er-
gebnisse müssen sowohl in konstruktiver wie künstlerischer Hinsicht jederzeit
allen Anforderungen gerecht werden.

In den beiliegenden Abbildungen wurde nur das Notwendige und Zweck-
dienliche dargestellt und kein Zuviel, um in der Darstellung an Klarheit keine
Einbuße zu erleiden. Es ist ja hauptsächlich die architektonische Komposition
ins Auge gefaßt; zur vollständigen Kenntnis des jetzigen Bestandes der Ruine
muß wohl auf die vorzüglichen Aufnahmen verwiesen werden von Prof. Arch.
E. Dörr und Arch. Rudolf Restle in „Michaelis" Arx Athenarum, wo alle
erhaltenen Teile, Werkstücke usw. gleichmäßig gut wiedergegeben sind. In
denselben sind die abfolgenden Quadernschichten beziffert, aber von oben nach
unten, sie werden abgeräumt. In vorliegender Abhandlung wurde am unteren
Niveau, der Schwelle der Tür des Erechtheions, wo ja über dem Stylobat erst
die Architektur beginnt, die Reihung der Quaderschichten, wie es gebräuchlich
ist, von unten nach oben gezählt, also im Geiste aufgebaut. Über das wissens-
werte der tiefer im Inneren sich vorfindenden Quadern ohne architektonischen
Belang wird die Beschreibung ergänzend nachhelfen.

Die Ruine, welche dem Besucher beim Betreten der Burg gleich in die
Augen fällt (Abb. I, II), besteht aus einem nicht sonderlich großen, von West
nach Ost gerichteten Mauerrechteck von 20 03 m Länge und ll-22m Breite
am Äußeren und 18-68 m Länge und 9-78 m Breite im Inneren (also ungefähr
135 m Mauerstärke). An das Rechteck (Abb. 2) sind drei Hallen angeschlossen,
von denen die nördliche um 3*10 m tiefer liegt wie die östliche und südliche
Halle. In den beiliegenden Abbildungen sind die damals und auch früher noch
bestandenen aufragenden Teile der Ruine einvermerkt, deshalb, weil gewisse
Stellen durch die Art ihres Einsturzes wichtige Aufschlüsse im Verlaufe der
Untersuchung bieten werden und weil in jüngster Zeit fachgemäße Aus-
besserungen durch Hinaufschaffen der herabgestürzten und am Boden ver-
streuten Reste vorgenommen wurden. Der Nordportikus und die Westmauer,
welche vor einem halben Jahrhundert von einem Sturme umgeworfen wurden,
sind jetzt wieder aufgerichtet, so daß die Ruine gegen früher wesentlich an
Anschaulichkeit gewonnen hat und viel mehr zur Geltung kommt.

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