Dell, Josef
Das Erechtheion in Athen: bauanalytisch, unters., erkl. u. ergänzt — Brünn [u.a.], 1934

Page: 30
Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/dell1934/0034
License: Creative Commons - Attribution - ShareAlike Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
Schlußbemerkungen.

Die Abhandlung ist im griechischen Sinne fachgemäß gehalten. Da es
sich vorwiegend um die Auffindung der Baukonstruktionen und der Räume
handelte, so mußte von einer künstlerischen Bildwirkung in der Darstellung
Abstand genommen werden. Die Abbildungen sind in Art der Werkzeichnungen
mit Maßstäben und Beschriftung als ein zusammengehöriges Ganzes gedacht.
Leider wirken die Fugen der „fugenverneinenden" Wandkonstruktion sehr
abträglich, was aber nicht vermieden werden konnte.

Aber selbst auf dem Wege zur Wahrheit ist die dichterische Phantasie
mitunter willkommen. So auch hier. Denn die vollständige Wirkung des Baues
in seiner ganzen Schönheit muß erst vom Beschauer hinzugefühlt werden.
Es ist nicht auszudenken, welcher Aufwand getrieben worden war, und das
Gebäude muß unsagbar schön gewesen sein, ein bauliches Juwel. Prächtige
Ausschmückungen durch Wandgemälde, Verkleidungen, kunstvolle Fußboden-
und Wandteppiche, verstellbare Teilwände, dann Geräte, Lampen, Dreifüße,
Tische, Sesseln, Weihbecken und Kessel, Vasen, Krüge für den Kultusgebrauch
usw. Der ägyptische Schlangen- und Sonnenkult forderte an der Südseite in
der Karyatidenhalle gewiß Gnomon mit Sonnenuhr.

Sogar unschöne Raumdispositionen konnten auf einfache Weise verschönert
werden. So z. B. die überhohe Erechtheuscella, die gewiß eine Teilung erhielt
durch ein Velum, als durchschimmernden Schleier zwischen die Pfeiler der
Athenecella und der Fensterwand gespannt, zur Milderung des grellen Lichtes,
wohltuend wirkend, wohltuend verbindend und trennend (siehe Abb. 10).

Die Beschriftung und Bezifferung der Abbildungen dient vor-
wiegend zur raschen Bezugnahme der homologen Orte in den einzelnen Dar-
stellungen. Es sind darin:

I bis XI Mauerzüge in den Grund- und Aufrissen.
1 bis 19 Normale Wandquaderschichten.
20 bis 22 Hauptgesimsschichten.

23 bis 30 Schichten in dem Wandverschluß der Westmauer.
31 bis 38 Podeste der inneren Stiege.

39 bis 45 Standpunkte des Beschauers im Atheneheiligtum.

30
loading ...