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dem wichtigen Flussübergang und seine weite-
re Entwicklung liegt in ihrer Funktion als
Gerichtsstätte des Gohes Modestorpe begrün-
det. Nachdem sich noch 1530 ein Brückengeld
im Lehnsbesitz der Familie von Wittdorf befand,
erwarb der Rat der Stadt die Brücke einschließ-
lich des Wegegelds und der Unterhaltungs-
pflicht im Jahr 1581 von Herzog Wilhelm d. J.
Bereits 1327 wurde im Sinne einer Ortsbezeich-
nung die Formulierung „ante antiquam pontem
intra muros“ und späterhin in Verbindung mit
dem zugehörigen Tor die Bezeichnung für eine
Belegenheit innerhalb der Stadt „Vor dem
Altenbrückertore“ verwendet, die endgültig erst
1860 durch den Namen „Altenbrückertor-
straße“ abgelöst wurde. Die letzte hölzerne
Brücke, gegenüber der heutigen weiter nördlich
gelegen, wurde 1823/24 errichtet. Jenseits der
Ilmenau wurden über das Altenbrücker Tor die
bereits im späten Mittelalter stark befahrenen
Frachtwege erschlossen, die über Oldenstadt
bzw. Uelzen in die Altmark (Salzwedel) und
nach Braunschweig sowie weiter nach Magde-
burg und Leipzig führten.
Die Bebauung der südlichen Straßenseite geht
mit Ausnahme des historistischen Wohn/Ge-
schäftshauses Nr. 5/6, dessen Neubau 1907
die Stadteingangssituation in Abgrenzung zu
den folgenden bescheidenen, traufständigen
Wohnhäusern repräsentativ aufzuwerten such-
te, vermutlich auf das 16.Jh. zurück. Während
des 18.Jh. sind hier vielfach Angehörige des
textil- und lederverarbeitenden Handwerks
sowie Kleinhändler als Eigentümer nachzuwei-
sen. Ähnlich dürfte die Entstehungszeit für die
drei auf der Nordseite als Baudenkmale von
stadtbaugeschichtlicher und städtebaulicher
Bedeutung ausgewiesenen drei Giebelhäuser
Nr. 14, 15, 16 anzusetzen sein.
Ilmenaubrücke, Geländer. 1876 wurde erstmals
anstatt der bisherigen hölzernen Brücke eine
massive dreibogige Konstruktion etwas weiter
südlich als Straßenbrücke errichtet. Diese an-

Altenbrückertorstraße, Blick von der Ilmenaubrücke nach Westen mit Altenbrückertorstraße 11/12


lässlich der Verbreiterung der Straße 1968/ 69
unter Wiederverwendung des Geländers er-
setzt. Es besteht aus querrechteckigen Feldern
mit je einem palmettengerahmten Tondo, der
abwechselnd eine Meerjungfrau und zwei
Delphine aufnimmt. Im Mittelfeld der Nordseite
das Stadtwappen und die Bezeichnung
„Lüneburger Eisenwerk 1876“. Eines der im
öffentlichen Raum selten gewordenen Bei-
spiele einer qualitätvollen Arbeit des historisti-
schen Eisengusses in spätklassizistischem
Dekor.
Altenbrückertorstraße 1. Östliches Eckhaus an
der nördlichen Einmündung des bis 1872 als
„Ziegenmarkt“ bezeichneten Weges. Die
gegenüber den östlich folgenden Häusern aus
der Flucht zurückspringende Schrägstellung
des giebelständigen Gebäudes erklärt sich aus
seiner Ausrichtung auf die hier vorhandene
trichterförmige Erweiterung des Weges. Seit
1566 bis in die 2. Hälfte des 20.Jh. als Schmie-
de belegt; 1715 als Schmiedehaus mit zwei
Nebenwohnungen, einem Wohnkeller und 16
Hinterbuden erwähnt. Die Werkstatt 1951
durch Einbeziehung eines Zimmers, der Küche
und des Flurs zum Hof nach Osten erweitert

Altenbrückertorstraße, Brückengeländer, 1876

und durch den Einbau eines Tors auf der west-

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