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und an den ersten fünf Stufen durch ein reich
beschnitztes Geländer mit kräftigem Handlauf
ausgezeichnet. Über gedrechselten Docken
zwischen Pilastern mit ionischem Kapitell ist im
Fries der Haussegen eingestochen: „MIN
ANFANGK UND ENDE STEIT IN GOTTS
HENDE“.
- Wohn-/Lagerhaus (Lüner Straße). Einge-
schoben zwischen dem Westgiebel des Haupt-
und dem Ostgiebel des Hintergebäudes liegt
das viergeschossige, 1853 nach Plänen C. v. d.
Heides unter Einbeziehung älterer Substanz
errichtete Gebäude. Der mit massiver Fassade
ausgestattete Fachwerkbau sollte im Erdge-
schoss als Holzraum dienen, in den beiden fol-
genden Etagen je eine Wohnung aufnehmen,
während das niedrigere Obergeschoss, über
dem mittig ein Windenerker saß, als Kornboden
genutzt wurde. Die bis auf ein Deutsches Band
über dem im Vergleich zu den übrigen Ge-
schossen hohen Erdgeschoss ungegliederte
Fassade wird lediglich durch die unter scheit-
rechten Bögen faschenlos eingeschnittenen,
jeweils vier Fenster strukturiert. Vom Vorgän-
gerbau übernommen wurde der aus zwei seg-
mentbogigen, nordsüdlich gerichteten Tonnen
bestehende Keller, dessen Gewölbe jedoch im
19.Jh. erneuert wurde.
- Hintergebäude (um 1540; Lüner Straße 9) an
der Nordostecke der Straße Auf dem Kauf, das
mit seiner Schmalseite zur Lüner Straße ausge-
richtet ist. Dreigeschossiger, teilunterkellerter
Backsteinbau über einer Grundfläche von ca.
13x6 Metern. Über dem an der Nordseite ver-
putzten, sonst neu verblendeten und durch-
fensterten Erdgeschoss sind die beiden Ober-
geschosse, auch hofseitig, jeweils durch eine
aus schwarz glasierten Taustäben gebildete
Blendarkatur über tausteingerahmten Friesen
entwickelt. Eine Störung dieses Aufrisses weist
nur die Nordachse der westlichen Traufseite
auf. An dieser Seite ist außerdem der untere
Fries offenbar einschließlich der Taustabkreise
bei der Sanierung 1983 ergänzt worden. Die
Taustabkreise enthalten Terrakottamedaillons
(zehn Kopien), wobei nur noch am Südende
des oberen Frieses der Traufseite eine originale
Terrakotta existiert. Nach Norden abgewalmtes
Sparrendach mit zwei angeblatteten Kehlbal-
kenlagen und gezapftem Firstpunkt, das im
Süden mit einem Steilgiebel schließt. Aufzugs-
erker an der Traufseite mit Rest einer Win-
denanlage. Im zweiten Obergeschoss tragen
die mit einem Schiffskehlenprofil verzierten
Deckenbalken Reste einer schwarz umrande-
ten Rankenbemalung in Grün- und Rottönen.
Ein wohl bauzeitlicher Fensterpfosten dieses
Gebäudes fand beim Kücheneinbau des
Haupthauses Wiederverwendung.
Am Stintmarkt 8. Dreigeschossiges Giebelhaus
mit verputzter Massivfassade, das 1881 nach
einem Brand unter Aufstockung um ein
Fachwerkgeschoss mit Drempel und Steilgiebel
wiederhergestellt wurde. Zu diesem Zeitpunkt
bis ins 20.Jh. hinein befand sich das Grund-
stück im Eigentum von Kaufmännern, während
zuvor ein Fischmenger und ein Schuster, im
18.Jh. aber auch ein Brauer und Branntwein-
brenner als Eigentümer auftreten, heute Gast-
stätte. Wohl um die Mitte des 18.Jh. (1756/57)
zwei Jahre Schossbefreiung) war das vielleicht

noch im 15.Jh. entstandene Haus überformt
worden und hatte über den beiden unteren
Geschossen einen Volutengiebel erhalten.
Überkommen von der barocken Bauphase ist
der über fünf Stufen erreichbare, mittige
Eingang in rundbogiger, schräger Portallaibung,
beidseitig begleitet von älteren, zweigeschossi-
gen Ausluchten, denen 1925 die heutigen
Fenster eingesetzt wurden. Schlichte spätklas-
sizistische Formen mit einer Horizontalgliede-
rung durch ein Stockwerk- und ein Sohlbank-
gesims im zweiten Obergeschoss sowie profi-
lierte Fensterfaschen bestimmen das Bild der
dreiachsigen Ostseite. Außer den Umfassungs-
wänden des hohen Erdgeschosses mit ehe-
mals rechtsseitiger Diele sind von dem Ur-
sprungsbau ein nördlicher Keller mit firstparalle-
ler Balkendecke, getragen von einem Mittel-
unterzug auf einer achtkantig abgefasten
Stütze mit gleichfalls abgefastem Sattelholz,
sowie ein segmentbogig gewölbter Keller über-
liefert, dessen Nordwand Segmentbogenni-
schen in Viertelkreissteinrahmung besitzt.

Am Stintmarkt 9. Zweigeschossiges, verputztes
Giebelhaus mit Zwischengeschoss, dessen
Kernsubstanz ins 15.Jh. datiert (1407d, Dach-
werk). Eine 1726 belegte Brennereinutzung bis
über die Mitte des 19.Jh. fortgeführt, während
ein Gaststättenbetrieb des späteren 19.Jh. bis
heute besteht. Der das steile Satteldach nach
Osten abschließende, geschweifte Knickgiebel
mit Dreieckaufsatz dürfte auf einen barocken
Umbau zurückgehen (dreijährige Schossbe-
freiung 1752-54). Den damals geschaffenen,
mittigen Rundbogeneingang verlegte man vor
1937 in die rechte Achse. Die Fassade ein-
schließlich der linksseitigen Auslucht 1975 in-
stand gesetzt, indem u.a. der Putz erneuert und
das Fenster in der Mitte des Zwischengeschos-
ses wieder geöffnet wurden. Umfassungs-
wände in einer formsteinlosen Nischenkons-
truktion, wobei die Nischen von hohem Erd-
und Obergeschoss bedingt durch unterschied-
liche Abmessungen nicht korrelieren. Im süd-
westlichen Bereich ist die Diele in voller Höhe
erhalten, den nordwestlichen Bereich erschließt
im Zwischengeschoss eine Galerie. Das in den


Am Stintmarkt 7, zugehöriges Hinterhaus an der Lüner Straße

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