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die von Überformungen des 18. und 19.Jh.
gekennzeichnet sind, bewahren die histori-
schen Häuser spätmittelalterliche bzw. frühneu-
zeitliche Bausubstanz. Lediglich das Wohn-/
Geschäftshaus Nr. 11 an der Lüner Straße, ein
dreigeschossiger Putzbau mit abgeschrägter
Eckachse, weicht als spätklassizistischer Neu-
bau des Jahres 1850 von diesem Schema ab.
Die Kompaktheit des dreigeschossigen Bau-
körpers unter flach geneigtem Dach, an dessen
Fassaden profilierte Fenstergewände die Bel-
etage hervorheben, unterstreichen Gesimse,
insbesondere das kräftig ausgebildete Konsol-
kranzgesims.
Die nördlich folgende, der St. Nikolaikirche vor-
gelegte Häuserzeile zeichnet sich durch eine
deutlich geringere Grundstückstiefe aus, die
sich von Süden her von ca. 20 Metern auf 13
Meter reduziert. Mit Ausnahme des Grund-
stücks Nr. 12, das sich 1401 im Eigentum der
Patrizierfamilie Garlop befand, wurden die übri-
gen Parzellen vermutlich erst nach dem Bau-
beginn der Kirche bebaut, da deren weitest-
möglich nach Osten in die Spitze des dreiseiti-
gen Baublocks vorgeschobene Position in
direktem Zusammenhang mit einer geplanten
Aufsiedlung des an die Straße grenzenden Are-
als stehen dürfte. Als architektonische Einbet-
tung für die dahinter aufragende Kirche reflek-
tieren die, abgesehen von den Eckhäusern Nr.
12,18 und 19, relativ bescheidenen, zwei- bzw.
dreigeschossigen Traufenhäuser den sich wohl
seit der 2. Hälfte des 15.Jh. darbietenden Zu-
stand und erlangen damit einen städtebaulich
bedeutenden Rang. Von den drei, 1880 bei
einem Brand stark beschädigten Häusern Nr.
13, 14 und 15, letzteres ein zweigeschossiges
Giebelhaus, das während des 15.Jh. zum
Eigentum von St. Nikolai gehörte, wurden die
Nr. 14 und 15 erst 1950/51 in Form zweier drei-
geschossiger, verputzter Traufenhäuser wieder-
aufgebaut, um die das Portal von St. Nikolai
freigebende Baulücke zu schließen. Das Haus
Nr. 15 hatte von 1620 bis 1715 dem Organis-
ten von St. Nikolai als Wohnung gedient.
Lediglich die Nr. 13, ein viergeschossiger, trauf-
ständiger Putzbau unter flachem Walmdach,
der nach seiner Errichtung 1881 in den Besitz
des Fotografen Raphael Peters gelangte, doku-
mentiert den unmittelbaren Wiederaufbau des
späten 19.Jh. Mit ihren dekorlosen Putzfassa-
den passen sich die beiden Häuser Nr. 14 und
15 in die schlichte, historische Bebauung ein,
wie sie ebenfalls das in gleicher Traufhöhe
anschließende, teils massiv, teils in Fachwerk
aufgeführte Haus Nr. 16 vertritt. In der 2. Hälfte
des 18.Jh. von einem Maler, einem Großträger
und einem Schuhmacher bewohnt, ging es
1799 in das Eigentum von Goldschmieden über
und wurde nach einem Plan des Zimmer-
meisters J. H. Gudau 1844 mit einer massiven,
in den beiden Obergeschossen vierachsigen
Fassade versehen, die ein Mutuligesims ab-
schließt. Einen älteren Bauzustand belegt die
rechtsseitige, zweigeschossige Auslucht zu
zwei Achsen, doch dominiert wie bei den nörd-
lich folgenden Bauten ein schlichtes klassizisti-
sches Bild. Auch der bescheidener zugeschnit-
tene, niedrigere Fachwerkbau Nr. 17, der im
18.Jh. u.a. einem Schiffbauer, einem Riemer,
einem Hutstaffierer, einem Goldschmied, einem
Billetierer und einem Regimentspferdearzt ge-

Bardowicker Straße 8,9,10


hörte, hatte 1848 eine massive Fassade in
zurückhaltenden Formen erhalten, an der links
der mittigen Tür ein haushoher Standerker
einen Akzent setzt.
Die Reihe der klassizistisch überformten Ge-
bäude setzt das massive, zweiachsige Giebel-
haus Nr. 18 fort, an dessen Putzfassade mit
linksseitiger Auslucht vor allem die beiden in
einer runden Blende sitzenden Fenster des
Obergeschosses sowie das Lünettenfenster im
Giebeldreieck die Veränderung der 1. Hälfte
des 19.Jh. erkennen lassen, während das älte-
re, steinsichtige Mauerwerk des rückwärtigen
Giebels sowie der bis 1955 balkengedeckte
Teilkeller im nordöstlichen Bereich für eine deut-
lich ältere Herkunft der Bausubstanz sprechen.
Zu beiden Seiten des kleinen Platzes, in den die
Wegeführung Bei der St. Nikolaikirche mündet,
stellen die beiden Häuser Nr. 19 und Nr. 20 eine
im Straßenbild markante Rahmung dar. Ihre
Gestaltung beruht ebenso auf klassizistischen
Stilvorgaben wie die des gegenüber an der
Nordostecke zur Straße Hinter der Bardowicker

Mauer liegenden Wohnhauses Nr. 24, eines
traufständigen Putzbaus, dem an der Seiten-
straße ein 1880 aufgestocktes Nebengebäude
angeschlossen ist. Er besitzt über einem mas-
siven Erd- ein Fachwerkobergeschoss, das teil-
weise 1903 an der Ostwand massiv ersetzt
wurde, und dürfte in der bestehenden Form mit
Krüppelwalmdach (Schleppgaube von 1934)
vermutlich nach dem Abbruch des inneren
Bardowicker Tores 1820 oder wenig später ent-
standen sein. Mit seinem balkenüberdeckten
Keller im südwestlichen Hausbereich, der an
einem Mauerpfeiler Fasensteine aufweist, ent-
hält es Bausubstanz des 15./16.Jh.
Die Nordhälfte des Baublocks auf der Westseite
der Bardowicker Straße beherrschen stattliche
Giebelhäuser, die trotz der verlorengegangenen
Staffeln beeindruckende Zeugnisse der Renais-
sancebaukunst darstellen, so z.B. die Häuser
Nr. 25 und 29. Grundlegend neu organisiert
entsprechend zeitgenössischen Vorstellungen
wurde 1891 das etwa von 1562 bis 1860 als
Braustätte betriebene Dielenhaus Nr. 26 in Auf-

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