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Bardowicker Straße 7, Hofflügel, Erdgeschoss, Deckenmalerei


iert, die kleine, von Klappläden geschlossene
Öffnungen aufnehmen. Regelmäßig abgebun-
denes, einfaches Kehlbalkendach von 18 Ge-
spärren mit eingezapften Balken.
- Wirtschaftsgebäude wohl des 17.Jh. in un-
mittelbarem Anschluss an den Hofflügel, beste-
hend aus zwei Massivgeschossen und einem
beidseitigen, niedrigen Fachwerkdrempel mit
verbohlten Gefachen unter dem abgeschlepp-
ten Dach. Im Satteldach mittig eine Ladeluke
unter geschweiftem Sturz.
Bardowicker Straße 8, 9. Hausstätte von ca. 20
Metern Breite mit Haupthaus (Nr. 8) und nörd-
lich folgendem Nebenhaus (Nr. 9), an das sich
nordwärts zwei Hofgebäude anschließen. 1540
der Ratsherr Dyrick Prawest als Eigentümer
nachweisbar. 1562 befand sich das Anwesen
im Eigentum des mit Gertrud von Dassel ver-
heirateten Patriziers Christoff Töbing und blieb
auch in der 1. Hälfte des 17.Jh. in Familienbe-
sitz. Während des 18.Jh. folgen beispielsweise
1714 Georg Christian Stern und 1768 Senator
Johann Friedrich Owdorff nach, bevor den
Besitz 1788 der Goldschmied Georg Friedrich
Krumstroh erwarb, dem 1789 für Bauarbeiten
fünf Jahre Schossbefreiung gewährt wurden.
1845 ging das Grundstück an den Direktor der
Töchterschule Karl H. F. Oltrogge über, der hier

1846 die Bürgertöchterschule und die Höhere
Töchterschule unterbrachte. Nach der Schlie-
ßung der Bürgertöchterschule im Jahre 1858
wurde der Unterricht der Höheren Töchter-
schule bis Ostern 1875, d.h. bis zum Umzug in
das neu erbaute Johanneum (Bei der St.
Johanniskirche 21) wohl in dem Flügelbau des
vermieteten Hauses Nr. 9 erteilt, während
Oltrogge mit seiner Familie das Haus Nr. 8
bewohnte.
Zweigeschossiges Haupthaus, dessen bis
1881 noch mit einer rechtsseitigen Auslucht
versehener Unterbau trotz starker Erneuerung
die Unterscheidung in ein hohes Erd- und ein
niedrigeres Speichergeschoss erkennen lässt.
Den begradigten, ehemaligen Staffelgiebel
schmückte vor dem Zweiten Weltkrieg noch ein
Dreieckaufsatz. Seine streng horizontale Glie-
derung durch Putzfriese und die ungewöhnliche
Gestaltung, die im Mittelfeld der aus Viertel-
kreissteinen bestehenden Blendarkatur mit
Segmentbogenöffnungen jeweils vor einem
Putzspiegel eine kleeblattbogige Zwillingsblen-
de aufnimmt, deuten stilistisch auf eine Ent-
stehung um 1600 hin. Damit in Übereinstim-
mung könnte eine Nachricht des Jahres 1593
gebracht werden, die von einem neu entstan-
denen Gebäude spricht, sich aber als pars pro
toto möglicherweise auf die Neuerrichtung des

Giebels bezieht. Im Kern hingegen dürfte die
Bausubstanz des Vorderhauses auf das 15.Jh.
zurückgehen. Es wurde bis 1955 durch ein mit-
tiges, von ornamentierten Quadern gerahmtes
und 1631 datiertes Rundbogenportal erschlos-
sen, das in den beiden Bogenquadern die
Wappen der Töbing und der von Dassel
schmückten. Im Zuge des damaligen, vor allem
die Neuorganisation des Erdgeschosses betref-
fenden Umbaus wurden das Kellergewölbe
abgebrochen und die Wohnungserschließung
an den Ostgiebel verlegt. Historisches Mauer-
werk findet sich außer an der nördlichen
Traufseite, wo ein horizontaler Taustab das Erd-
und Obergeschoss voneinander abgrenzt, am
östlichen Steilgiebel. Demnach besaß das
Obergeschoss Segmentbogenfenster, während
im Giebeldreieck über den neuen Fenstern des
als Wohnung genutzten ersten Dachge-
schosses zwei und in der Spitze eine kleine
zugesetzte Segmentbogenöffnungen erkenn-
bar sind. Dreifaches Kehlbalkendach mit außer-
mittig südlich stehendem Stuhl im zweiten
Geschoss und einer Hängesäulenkonstruktion
am dritten Gespärre von Osten. Aufgrund der
geblatteten Holzverbindungen, mit denen auch
der First abgezimmert ist, darf eine Entstehung
des Dachwerks für das 15.Jh. angenommen
werden.

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