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Große Bäckerstraße 28, Erdgeschoss, Herrenzimmer, Stuckdecke, Bemalung (Aufnahme P. Furmanek, 1993)


Große Bäckerstraße 28, Erdgeschoss, Damenzimmer, Stuckdecke


Große Bäckerstraße 28, erstes Obergeschoss, ehern. Saal, Herrscherdecke, Ausschnitt
(Aufnahme P. Furmanek, 1993)

Eine weitere, das Rokoko imitierende Stuck-
decke schmückt den straßenseitigen Festsaal
des ersten Obergeschosses, in dem ein weißer
Kachelofen in Neurenaissanceformen steht.
Umrahmt von einer reich gefalteten Draperie in
der Hohlkehle, wiederum mit Allegorien der
Jahreszeiten in Rocaillekartuschen geschmückt,
füllt den Deckenspiegel das Gemälde einer
Himmelsdarstellung mit Gruppen musizierender
und tanzender Amoretten zwischen Blumen-
girlanden, das die bemalten Lünetten in der
Hohlkehle ergänzen. Die aus drei, ursprünglich
mit Goldhöhungen gefassten Kreisen kompo-
nierte Rahmenstuckdecke des südöstlichen
Raums war in der Voute mit Weinranken und
einem vergoldeten Hermesstab als Eckorna-
ment bemalt. Auch die übrigen Räume waren
mit Stuckfriesen und -profilen ausgestattet, wo-
bei gleichermaßen die zweite Farbfassung der
Zeit um 1900 in ihrer differenzierten Farbigkeit
sehr gut nachweisbar war. Die auf den Decken
und den Holzverkleidungen in ihrer Dichte
dokumentierte Befundlage, die darüber hinaus
durch die hohe Qualität der maltechnischen
Ausführung bestach, kann nicht nur für Lüne-
burg wissenschaftliche und künstlerische Be-
deutung beanspruchen, sondern bezeugt ein-
schließlich der Raumaufteilung und Nutzung in
seltener Klarheit einen großbürgerlichen, von
Repräsentationsbewusstsein getragenen Le-
bensstil der wilhelminischen Epoche. 1993 frei-
gelegte Teilbereiche einer nicht mehr vollständig
vorhandenen Deckenmalerei im Obergeschoss
(nach 1558d) ließen den Schluss zu, dass das
Obergeschoss einen großen Saal von ca. 250
Quadratmetern Fläche aufnahm, den die ge-
nannte Holzdecke überspannte. Durch Unter-
züge wohl in 23 Felder unterteilt, war sie insge-
samt mit 122 teils frontal, teils im Profil gegebe-
nen Porträts antiker und mittelalterlicher Herr-
scher innerhalb einer oktogonalen Rahmung
mit Nennung des Namens bemalt, jeweils
unterbrochen durch ein ornamental gestaltetes
Feld mit mittigem Kreis. Desgleichen zeigen die
Balkenunterzüge ein geometrisches Ornament.
Sowohl in Bezug auf das ikonografische Pro-
gramm als auch stilistisch sind die Darstel-
lungen den Herrscherporträts im Fürstensaal
des Lüneburger Rathauses vergleichbar.
Große Bäckerstraße 29. Traufständiges Wohn-/
Geschäftshaus, das 1897 das dreigeschossige,
walmgedeckte Nebenhaus des Nachbargrund-
stücks Nr. 30 ersetzte. Für den Glaser Conrad
Holthey entwarfen H. und W. Matthies einen
viergeschossigen Blendziegelbau in neugoti-
schem Formenrepertoire. Im heute durchge-
hend verglasten Erdgeschoss tragen vier guss-
eiserne Säulen mit Kelchblattkapitellen das rela-
tiv schlicht gehaltene erste Obergeschoss von
vier paarweise zusammengerückten Achsen.
Die stichbogigen bzw. spitzbogigen Fenster
des zweiten und dritten Obergeschosses sind
durch eine segmentbogige Blendarkatur
zusammengefasst, deren Laibungen kolossale
Dienste in glasierten Wechselschichten zieren.
Über der mittleren Blendnische abschließend
ein Zwerchhaus mit dreipassbekröntem Zwil-
lingsfenster innerhalb einer Kleeblattbogen-
blende. Die beidseitigen Gauben ohne die origi-
nale Helmdeckung. Sorgfältige Detailbehand-
lung in Verbindung mit plastischer Durchbildung

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