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dischen Dorfe 29 mit dem zugehörigen Hinter-
gebäude Lüner Straße 10a fort, hier in einer
spätklassizistischen Variante, wie sie die mit
korinthisierenden Pilastern gestaltete Eingangs-
situation im genuteten Erdgeschoss am deut-
lichsten vermittelt. Einer historistischen Überar-
beitung mit profilierten Stockwerkgesimsen und
Fensterfaschen wurde um 1880 auch die ver-
putzte Fassade des dreiachsigen Nachbar-
hauses Lüner Straße 10 unterzogen, eines
bereits zuvor in drei gleich hohe Geschosse
unterteilten Giebelhauses mit Traufstaffeln und
Dreieckbekrönung, dessen Balkenkeller auf
seine frühneuzeitliche Herkunft hinweist. Die
Putzfassaden der beiden zweigeschossigen
Häuser Nr. 11 und 12 leiten über zu dem die
Gabelung der Straße markierenden Giebelhaus
Nr. 13. Zu dem ab 1523 bis 1911 als Brauhaus
genutzten Anwesen gehörten unter dem Be-
sitzer J. Schröder (1541-1575) 18 Wohnbuden,
von denen 1716 noch elf vorhanden waren.
1921 brach man die baufälligen Häuser in
Soetbehr’s Hof (Nr. 13 bis 15) ab. Nach dem
Ausbau der oberen Etage 1853 für den Bier-
brauer Soetbehr zeigt das heute als Gaststätte
und Hotel dienende und 1934 im Unterbau neu
mit Klinkern verblendete Gebäude eine sieben-
achsige Front mit abschließendem Krüppel-
walm. Das vom Unterbau durch ein Deutsches
Band abgetrennte Giebeltrapez schmückt ein
abgetreppter Ortgangfries. Im Erdgeschoss ist
rechts eine korbbogige Einfahrt integriert, bis
zum damaligen Umbau links von einer Auslucht
begleitet. Erschlossen über den mittigen,
bereits im 19.Jh. rundbogigen Eingang, lag hin-
ter den drei Westachsen nach Süden wohl die
ehemalige Stube, markiert durch vier mit
Schiffskehlen profilierte Deckenbalken. Von der
frühneuzeitlichen Entstehung des Gebäudes
zeugt die Kelleranlage aus drei parallelen Seg-
mentbogentonnen in Nord-Süd-Richtung.
Auf einem die heutigen Grundstücke Nr. 14, 15
und darüber hinaus sowohl nach Süden als
auch nach Norden bis zur Baumstraße (Nr. 5-7)
reichenden Areal hatte das acht Kilometer
nordöstlich von Lüneburg gelegene Zisterzien-
serkloster Scharnebeck vor 1357 (für dieses
Jahr ist eine bauliche Erweiterung des Hofs
bezeugt) einen Stadthof errichtet. Im Zuge der
Reformation - die Kapelle des Klosterhofs wurde
1451 aufgehoben - gelangte das Anwesen
unter herzogliche Verfügungsgewalt. Die Ap-
puhn’sche Karte von 1802 verzeichnet hier,
bereits reduziert um die Parzellen an der Baum-
straße, das herzogliche Kornmagazin, dessen
Scheunen und Stallungen noch über die Mitte
des 19.Jh. hinaus genutzt wurden. Im Aufge-
henden ist jedoch mit Ausnahme eines wegen
seines architekturgeschichtlichen Werts bedeu-
tenden Kellers (Lüner Straße 15) keine Bau-
substanz überkommen. Auf dem zum Teil als
Garten genutzten Terrain stehen heute die bei-
den zur Kirchengemeinde St. Nikolai gehören-
den Häuser Nr. 14 und 15, Letzteres als Pfarr-
haus dienend.
Lüner Straße 3. Grundstück mit Haupthaus
wohl der 1. Hälfte des 16.Jh. und westwärts
anschließendem Hofflügel. 1562 war als Eigen-
tümer der „Snitker“ Martin Garve verzeichnet,
der mehrere Arbeiten für die Johanniskirche lie-
ferte. Seine Witwe, Anna Kunrad, ging vier wei-


Lüner Straße 3, Hofflügel, Ansicht von Südosten


Lüner Straße 3, Hofflügel, Detail der Schwelle

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