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weinlesenden Jünglings geschmückt, die heute
im innenhof Aufstellung gefunden hat. Ein den
First überragender, quadratischer Lüftungsturm
an der Nordseite wurde zugunsten eines Büro-
anbaus in den 1960er Jahren abgebrochen.
Den Baukörper belichten regelmäßig angeord-
nete Stichbogenfenster mit Eisensprossen,
wobei die Wandfläche des Obergeschosses
Lisenen unterteilen. Von einem schlichten
Sockelgesims aus Sandstein über einen von
Mauerankern in Form von Blütenkreuzen unter-
brochenen Klötzchenfries als Gurtgesims bis zu
dem über wulstigen Konsolen kräftig vortreten-
den Bogenfries der Traufe nimmt die plastische
Durchbildung nach oben zu und gipfelt in den
obeliskenbesetzten Eckstabtürmchen des
Drempelgeschosses. Die leicht vorgezogene
westliche Eingangsachse auf der südlichen
Traufseite zeichnet über dem geschosshohen
Rundbogenportal innerhalb einer Blende ein
gekuppeltes Rundbogenfenster über einem
Mittelsäulchen aus. An der Ostseite setzt über
den beiden Mittelachsen ein den Dachquer-
schnitt nachzeichnender Dreieckgiebel mit drei
Obeliskenaufsätzen den abschließenden Ak-
zent. Sowohl das Keller-, das in die Verkaufs-
fläche eines Kaufhauses integrierte Erd- als
auch das Obergeschoss sind durch jeweils 20
gusseiserne Säulen im Raster von ca. 4 x 4
Metern in 5 x 6, von böhmischen Kappen über-
wölbte Joche unterteilt. Bis zu dem zwei
Achsen breiten Lüftungssattel nimmt der
Dachraum zwei weitere Lagerebenen ein, deren
Unterzüge von fünf bzw. drei Reihen hölzerner
Stützen mit Kopfbändern im Längsverband
unterfangen werden. Das Sparrendach unter-
stützt eine Mittelpfette.

NEUE STRASSE
Als Verbindung zwischen „Auf der Altstadt“ und
„Auf dem Meere“ verläuft die 1375 angelegte
Neue Straße westlich parallel zur Unteren
Ohlingerstraße. 1410 ist hier das der Stadt
gehörende Frauenhaus angesiedelt (de vro-
wenbude, 1410), im Volksmund „Wonneken-
bruk“ genannt. Die Parzellen, insbesondere die-
jenigen an Nord- bzw. Südrand, gehören teil-
weise zu Auf dem Meere bzw. Auf der Altstadt
situierten Anwesen.
Die Bebauung bestand überwiegend aus Rei-
henhäusern für Arbeiter; so erhob sich an der
Ostseite unter den Nrn. 13-23 eine Zeile neun
spätmittelalterlicher Häuser, die über dem mas-
siven Erdgeschoss mit Diele und Stube in dem
aus Fachwerk bestehenden Obergeschoss
einen Wohnraum aufnahmen. Der Zugang
erfolgte jeweils über eine stichbogige Tür inner-
halb einer Spitzbogenblende. Nach ihrem
Abriss 1910 ist die Fläche heute unbebaut,
sodass den an dieser Stelle nun doppelt so
breiten Straßenraum die Grundstücke der
Unteren Ohlingerstraße begrenzen. Schon vor
diesem Eingriff lässt sich anhand von
Stadtplänen in diesem Bereich eine leichte,
trichterförmige Aufweitung erkennen, die sich
bei dem Haus Nr. 6/7 abrupt verengt, um in
einer leicht nach Westen abknickenden Wege-
führung auf die „Altstadt“ zu münden. Das ge-
nannte Gebäude Nr. 6/7 stellt eines der weni-
gen original erhaltenen, traufständigen Reihen-


Neue Straße, Nr. 6/7

häuser des 17.Jh. dar, das daher nicht nur auf-
grund seiner Wirkung im Straßenbild, sondern
auch seiner bauhistorischen und -typologi-
schen Bedeutung Denkmalqualität genießt.
Ein Relikt der früheren Bebauung findet sich in
der auf der Ostseite im Südabschnitt überkom-
menen, mit fünf Segmentbogennischen kons-
truierten Mauer des 16./17.Jh., die einst die
Rückwand eines im Obergeschoss aus Fach-
werk aufgeführten Speichers bildete (Abriss der
1960er Jahre). Auf dem davor entstandenen
Freiraum beim Haus Nr. 10 installierte man
1989 einen bronzenen Zierbrunnen in Form sti-
lisierter Blüten. Dieses aus zwei rechtwinkelig
zueinander angeordneten Trakten bestehende
Haus (Nr. 9/10), errichtet mit massivem Erd-
und vorkragendem, einfach verriegeltem Fach-
werkobergeschoss, dürfte entsprechend der

Konstruktion aus paarig angeordneten Fuß-
bändern auf das 17.Jh. zurückgehen, wurde
jedoch 1984 durchgreifend saniert, indem u.a.
ein tonnengewölbter Keller unter dem nörd-
lichen Gebäudeteil zugeschüttet wurde. Nach
Südwesten schloss sich einst eine 1802 zum
Eckhaus Auf der Altstadt 18 gehörende Reihen-
hausbebauung mit Fachwerkobergeschoss an,
das im massiven Erdgeschoss spitzbogige
Eingänge besaß. Eine vergleichbare, jedoch
inzwischen veränderte Bebauung stellt am
Nordende das heute dem Grundstück Auf dem
Meere 31 angeschlossene Haus Nr. 22 dar.
Sein massives Erdgeschoss beherrscht zwi-
schen zwei äußeren Rundbogeneingängen mit
Wulststeinen eine breite Auslucht. Im über
Karniesknaggen vorkragenden Obergeschoss
aus Fachwerk, das ein Pultdach schließt, neh-

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