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gleich hohen Haus Nr. 3, das ohne eigene
Brandwand an Nr. 2 anschließt und bis 1928
eine eingeschossige Auslucht besaß. Gleiches
trifft auf das dreigeschossige Eckgebäude Nr. 1
zu, das erst 1730 als Eckhaus, zuvor als Bude
zu dem Feilbackhaus Nr. 2 genannt wird. Sein
Westgiebel ist seit 1925 vollständig verputzt,
während die Gestaltung der nördlichen Trauf-
seite mit einem Bandgesims zwischen den bei-
den geschlämmten Obergeschossen eine
bereits um 1800 vorgenommene Veränderung
belegt. Ähnlich, aber wohl etwas später im
19.Jh., wurde das gegenüberliegende, noch
bis ins Ende des 18.Jh. zu dem Brauhaus
Schröderstraße 7 gehörige Traufenhaus Nr. 20
überformt, wovon die fünf wandbündig sitzen-
den Obergeschossfenster der Backstein-
fassade zeugen. Gemäß der Konstruktion des
Dachwerks mit zweifacher, eingezapfter
Kehlbalkenlage kann eine Entstehung im 17.Jh.
angenommen werden. Der Flur des mittig über
einen Rundbogeneingang erschlossenen Erd-
geschosses, dessen Stichbogenfenster einem
Umbau der 1960er Jahre entstammen, birgt
neben einem sterngeschmückten Terrazzo-
fußboden eine Treppe der 1920er Jahre mit
gewundenem Traljengeländer und expressiv
geformten Pfosten.
Die fünf nach Osten folgenden Giebelhäuser,
zweigeschossig und von gleicher Traufhöhe,
spiegeln trotz augenscheinlicher Gemein-
samkeiten und einer vermutlich nahe beieinan-
der im 16./17.Jh. liegenden Entstehungszeit in
ihren Fassaden die Überformungsphasen
unterschiedlicher Zeitstellungen wider, sodass
ein heterogener Eindruck dieses Straßenab-
schnitts überwiegt. Neben der historistischen
Fassade des Gebäudes Nr. 19 bietet sich das
Nachbarhaus Nr. 18, das 1872 straßenseitig
verputzt worden war, seit der gemeinsamen
Sanierung in den 1980er Jahren einschließlich
des Fachwerkgiebels steinsichtig dar. Damals
rekonstruierte man ebenfalls den erst 1718 in
dieser Breite angelegten Korbbogen der öst-
lichen Durchfahrt. Links davon befand sich ur-
sprünglich der Eingang, den man 1919, als
man wohl auch die Hofwand massiv erneuerte,
zugunsten einer Verbreiterung der zweige-
schossigen Auslucht beseitigt hatte. Die seit
den 1980er Jahren freigelegte Diele dient
heute, verbunden mit derjenigen von Nr. 19, als
Ladengeschäft. An einen Umbau der Zeit um
1800 lässt die vierachsige Fassade des Hauses
Nr. 16 unter einem Krüppelwalmdach denken,
den im Erdgeschoss die mit einem Laden-
einbau des Jahres 1926 einhergehenden Ver-
änderungen überlagern (Verlegung des Ein-
gangs in die Westachse und Neuverblendung).
Das hohe Baualter dieses Hauses überliefern
die mit Nischen konstruierten Umfassungs-
wände des bis 1982 holzbalkengedeckten
Kellers. Unter dem 1950 einschließlich der
stichbogigen Mittelstaffel aufgebrachten Putz-
auftrag des Hauses Untere Schrangenstraße
15 verbergen sich ein massiver Unterbau und
ein zweifach verriegelter Fachwerkgiebel wohl
des 17.Jh. mit geraden Fußbändern und einer
großen Ladeluke. Erst anlässlich des grundle-
genden Umbaus von 1950 wurde in der Ost-
achse anstelle des bisherigen Rundbogen-
eingangs des 18.Jh. eine Hofdurchfahrt ge-
schaffen. Die denkmalwerte Substanz des Ge-

Untere Schrangenstraße 2, Kellerdecke


bäudes ergänzen in der nördlichen Hauszone
eine Quertonne und das Kehlbalkendach mit
zweifacher, eingezapfter Balkenlage.
Mit ihren ziegelsichtigen Fassaden treten die
nach späthistoristischen Prinzipien konzipierten
Wohn-/Geschäftshäuser Nr. 12 und Nr. 14,
beide traufständig orientiert und inzwischen in
der Erdgeschosszone mehrfach überformt, vor
allem wegen ihrer reich dekorierten mittigen
Fachwerkerker im Straßenbild hervor. Das drei-
geschossige Gebäude Nr. 12 wurde 1906 nach
Plänen von H. Matthies anstelle eines Brauhau-
ses errichtet, das im 19.Jh. verschiedenen
Handwerksgilden als Herberge gedient hatte;
für die Ausführung des zweigeschossigen
Hauses Nr. 14 von 1905 zeichnete Zimmer-
meister F. Havemann verantwortlich. Den
Aufriss beider Häuser dominiert ein die Ober-
geschosse mittig einnehmender, übergiebelter
Fachwerkerker, auf den sich der dem Formen-
repertoire der Spätgotik und Renaissance ent-
nommene Dekor konzentriert. An Haus Nr. 12,
das 1974 seinen kielbogigen Eingang im Zuge
eines Ladenumbaus verlor, tragen heute u.a.
die geschossübergreifende Blendnischenglie-
derung sowie die Ausbildung eines Treppen-
giebels zu den qualitätvollen, charakterisieren-
den Details bei. Hingegen bekundet das Ge-
bäude Nr. 14, u.a. aufgrund seiner die ge-
schosstrennende bzw. horizontale Gliederung
betonenden Friese und Gesimse, eine konven-
tionellere Haltung.
Untere Schrangenstraße 2. Traufständiges,
zweigeschossiges Wohnhaus mit Zwischen-
geschoss, das im 16.Jh. als Hintergebäude zu
dem damals als Backhaus genutzten Eckhaus
Untere Schrangenstraße 1 gehörte. Hohes
massives Erdgeschoss, das hofseitig die ältere
Aufrissstruktur erkennen lässt. Das vermutlich
um 1800 aufgesetzte Fachwerkobergeschoss

zu drei Achsen ist rückwärtig in schlichter Form
mit nahezu quadratischen Gefachen und
Schwelle-Ständer-Streben in den Außengefa-
chen konstruiert, während für die Nordfassade
eine Doppelständerkonstruktion gewählt und
die Schwelle mit einem aufgelegten Stabprofil
verziert wurde. Im Zuge eines Ladenumbaus
1927 Abriss einer westlichen hohen Auslucht,
an deren Stelle der von der linken Seite hierher
verlegte Eingang trat; darüber setzte man ein
dreiteiliges Wohnraumfenster ein und verklin-
kerte das Erdgeschoss mit einer neuen Abfolge
von drei Segmentbogenöffnungen. Holzstürze
über dem Zwischengeschoss kennzeichnen
ältere Fenstereinschnitte. Besonderes bauhis-
torisches Interesse beansprucht aufgrund sei-
nes hohen Alters der 3,5 x 7,5 Meter große
Keller, der dendrochronologisch auf die Zeit um
1370 bestimmt wurde. Seine Bohlendecke tra-
gen neun Balken, und die aus Klosterformat-
steinen bestehenden Umfassungswände neh-
men an der Ostwand zwei flache Segmentbo-
gennischen auf, von denen die nördliche, grö-
ßere im Bogen mit Fasensteinen gemauert ist;
über der südlich folgenden, niedrigeren Nische
weist ein Schacht auf das ursprüngliche
Freistehen des Hauses hin. Im hohen Erdge-
schoss sind Ost- und Südwand ebenfalls mit
fasensteingerahmten Segmentbogennischen
aufgemauert und somit ebenfalls ins 14.Jh. zu
datieren. Einen klassizistischen Umbau belegen
die vor der Ostwand im Bereich des früheren
Flurs gelegene Treppe mit einem aus diagona-
len Stäben bestehenden Geländer sowie eine
Tür im Obergeschoss. Das zweilagige Kehl-
balkendach vormals mit angeblatteten Balken
wohl um 1800 mit eingezapften Balken umge-
schlagen.
Untere Schrangenstraße 4. Eingeschossiges
Dielenhaus mit traufständig anschließendem

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