Fliegende Blätter — 10.1849 (Nr. 217-240)

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lOü Die Stechpalmlise.

unter ihre Schürze. Dem Bauernburschen standen förmlich
I die Haare zu Berge, er sprang auf mit den Worten:

„Das kann doch wohl nicht sein; Ihr habet wohl etwa
nicht recht gesehen?"

„Es ist aber doch so!" entgegnete der Bauer mit einem
boshaft grinsenden Gesichte. Er sah bei diesen Worten auf
mich; ich nahm es für eine Aufforderung mich zu äußern
und fragte:

„Und wißt Ihr mir vielleicht zu sagen, welchen Weg der
Teufel mit dem Weibsbilde eingeschlagen?"

Ich stellte diese Frage in aller Unschuld, ans dem ein-
fachen Grunde, weil ich meinem Begleiter gerne auf die
Spur gekommen wäre, ohne zu ahnen, in welch hohem Grade
ich den Grimm des Mannes iveckte. Er stand auf, nahm
seinen Stock, maß mich mit tiefster, gründlicher Verachtung
vom Kopfe bis zur Taille, denn weiter konnte er mich nicht
sehen, weil ich hinter dem Tische saß, dann donnerte er
mich in kreischendem Basse an:

„Den Weg, den ihr Herren einmal gehen werdet, den
ist er gegangen — in die Hölle!" Er riß die Thüre auf,
ein gewaltiger Schlag in das Schloß verkündete, daß er die
Schwelle verlassen.

Dieser Auftritt machte mir ein ferneres Verweilen in
der Wirthsftube unbehaglich; ich bezahlte dem Wirthe, der
sich noch nicht ganz von seinem Schrecken erholt hatte, die
Zeche, nahm das Kästchen und ging meine Wege. — Ich
war mit meinem geheimnißvollen Kästchen im Gasthause an-
gelangt ; der Kellner übergab inir einen Brief und that sehr
wichtig, als er mir erzählte, mein Freund sei mit einer ganz
schwarz gekleideten Dame! die nichts gegessen, nicht gesprochen
und auch den dichten Schleier nie gelüftet habe, in aller
Eile per Extrapost abgereist. Er selber sei sehr verwirrt
gewesen, und habe ihm, dem Kellner, nur einen Zwanzger
Trinkgeld gegeben.

Ich ging auf mein Zimmer und erbrach gespannt den
Brief:

„Werthester Freund! Ich ersuche Sie dringendst, den
sonderbaren Vorfall, von dem Sie Zeuge waren, geheim zu
halten. Es ist sehr viel Hoffnung vorhanden, daß Lieschen,
ferne von Allem, was ihr unangenehme Erinnerungen er-
weckt, in der blühenden Gegend meiner Heimath ganz gesunde.
Sehen Sie beim Grabhügel neben der Hütte sobald möglich
nach, Sie werden dort eine Chatulle mit Briefen und Ge-
dichten von mir finden, welche das Mädchen in ihrem Irr-
sinne dort verscharrte. Sie können vielleicht in diesen Pa-
pieren einige Erläuterungen zu dem Geschehenen finden, die
Ihnen jetzt schriftlich zu geben mir die gehörige Ruhe und
Zeit fehlt. Sie werden meine Aufregung begreifen — ver-
zeihen Sie diese Kürze, bald sollen Sie das Weitere von
mir hören.

lSchluß folgt.)

Die Teutoburger Schlacht.

sAls die Römer frech geworden
Zogen sie nach Deutschlands Norden,
Vorne mit Trompetenschall
Ritt der Generalfeldmarschall

Herr Quinctilius Varus.

Doch im Teutoburger Walde
Hui! wie pfiff der Wind so kalte!
Raben flogen durch die Luft
Und es war ein Moderduft

Wie von Blut und Leichen.

Plötzlich aus des Waldes Duster
Brachen krampfhaft die Cherusker;
Mit Gott für Fürst und Vaterland
Stürmten sie voll Wuth entbrannt
Gegen die Legionen.

Weh! das war ein großes Morden,
Sie erschlugen die Cohorten;

Nur die römische Reiterei
Rettete sich noch ins Frei,

Denn sie war zu Pferde.

O Quinctili! armer Feldherr!

Dachtest Du, daß so die Welt wär?
— Er gerieth in einen Sumpf,

Verlor zwei Stiefel und ein' Strumpf
Und blieb elend stecken.

Werk/Gegenstand/Objekt

Titel

Titel/Objekt
"Die Teutoburger Schlacht"
Weitere Titel/Paralleltitel
Fliegende Blätter
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Aufbewahrungsort/Standort (GND)
Universitätsbibliothek Heidelberg
Inv. Nr./Signatur
G 5442-2 Folio RES

Objektbeschreibung

Maß-/Formatangaben

Auflage/Druckzustand

Werktitel/Werkverzeichnis

Herstellung/Entstehung

Entstehungsort (GND)
München

Auftrag

Publikation

Fund/Ausgrabung

Provenienz

Restaurierung

Sammlung Eingang

Ausstellung

Bearbeitung/Umgestaltung

Thema/Bildinhalt

Thema/Bildinhalt (GND)
Reiter <Motiv>
Kampf <Motiv>
Wegweiser
Pferd <Motiv>
Fahne <Motiv>
Keule
Karikatur
Trompeter <Motiv>
Satirische Zeitschrift
Römer
Cherusker

Literaturangabe

Rechte am Objekt

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Künstler/Urheber (GND)
Universitätsbibliothek Heidelberg
Creditline
Fliegende Blätter, 10.1849, Nr. 229, S. 100 Universitätsbibliothek Heidelberg
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