Fliegende Blätter — 36.1862 (Nr. 861-886)

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Zum grauen Esel.

Das Teufelswirthshaus. 179

so flog ich ihm über den Hals fort. Aber wo war mein
durchlauchtigster Fürst, als ich mich umsah! Sechzig Schritte
weit hinter mir und ich rief immer lustig: „Lippolt reit' zu!
Lippolt reit zu auf der alten Mähre!"

„Verfluchter Kerl!" rief er nach einer Weile fast erschöpft,
„du hast heute den lebendigen Satan im Leibe und reitest
ja wie ein Indianer!" Und von dem Rappen herab-
springend sagte er lachend: „Du hast die Wette gewonnen,
Lippolt! hier hast du deine alte Kracke wieder, sie hat aus-
gedient. Aber," fuhr er, als er seinen Schimmelhengst wie-
der bestiegen, sich in's Fäustchen lachend fort: „Alter, wir
haben um Nichts gewettet, weißt du das?"

„Das wird sich schon finden," entgegnete ich ruhig, „ich
trage deß keine Sorge. Das Sprüchwort sagt freilich: mit
großen Herren ist schlecht Kirschen essen! Aber beim Wetten
mit Ew. Durchlaucht kommt ein alter Jägersmann gewiß nicht
zu kurz." — „So? meinst du?" sprach der Fürst im Weiterreiten,
bog sich dabei herüber zu mir und zupfte mich ganz empfind-
lich am Schnauzbart, „es wird sich ja zeigen, ob du nicht
ein alter leichtgläubiger Jägersknecht gewesen bist."

„Trag keine Sorge drum," rief ich.

Bald waren wir oben an dem Feldholz, worin der Hirsch
stand. Ich stellte den Fürsten an. Der aber wollte sich
partu ein paar hundert Schritte weiter davon auf einer Klippe
anstellen. „Da krieg' ich den Hirsch sicher zu Gesichte," meint'
er. „Ja Durchlaucht! wenn Sie 'n blos sehen wollen, da
ist die Klippe gut, aber schießen thun sie 'n da nicht. Aber
hier, wo wir stehen, kommt er Ihnen auf dreißig Schritte
nah, so wahr ich Lippolt heiße; denn hier ist sein Wechsel."

„Nun meinethalben!" sagte der Fürst kurz angebunden,
„du mußt immer Recht behalten, Lippolt!" und blieb dort
stehen. Ich aber machte einen Umweg und kroch dann das
Hölzchen leise und vorsichtig ab und machte dabei nicht mehr
Geräusch, als eine Frau, die Erdbeeren sucht. Es dau-
erte auch keine zehn Minuten, da krachte ein Schuß. Ich hörte
schon von weitem, daß die Kugel saß, ging vorsichtig hin
und: hurrah! da lag ein so stattlicher Achtzehnender, wie er
nur selten hier vorkommt, und hatte die Kugel mitten auf
dem Blatte. „Gratulire zum Feisthirsch, Durchlaucht!" rief
ich, den Hut schwenkend. — „Und ich zum Schimmelhengst!"
rief der Fürst und sah mich dabei gar pfiffig an. (Forts, f.)

Das Teufelswirthshaus.

Ein Schelmcnlied.

Es stund ein Wirthshaus an der Höh',
War gar so nett und fein;

Da setzten sich von nah' und fern
Die großen und die kleinen Herrn
Bei Bier und Branntewein.

Der Wirth, der war kein frummer Christ,
Hielt nicht die zehn Gebot;

Oftmalen um die Mitternacht
Hat ihm der Teufel Geld gebracht
Hernieder durch den Schlot.

Der Teufel hat 'n glühen Schweif,
Brennt schwefel-lichterloh;

Fuhr einstmals auch zum Dach herein
Und zog den langen Schweif nicht ein,
Hoho! da brennt das Stroh.

Das Stroh, das brennt, das Dach, das brennt,
Der Teufel fuhr heraus,

Die Gäste fielen von der Bank,

Dieweil es so nach Schwefel stank,

Und krabbeln vor das Haus.

Der Teufel sitzt im Appelbaum,

Und plärrt als wie ein Kind;

Er heult und plärrt und weint so sehr.
Daß ihm die dicke Wagenschmeer
Von seinen Aeuglein rinnt.

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Werk/Gegenstand/Objekt

Titel

Titel/Objekt
"Das Teufelswirthshaus"
Weitere Titel/Paralleltitel
Fliegende Blätter
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Aufbewahrungsort/Standort (GND)
Universitätsbibliothek Heidelberg
Inv. Nr./Signatur
G 5442-2 Folio RES

Objektbeschreibung

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Auflage/Druckzustand

Werktitel/Werkverzeichnis

Herstellung/Entstehung

Künstler/Urheber/Hersteller (GND)
Busch, Wilhelm
Entstehungsort (GND)
München

Auftrag

Publikation

Fund/Ausgrabung

Provenienz

Restaurierung

Sammlung Eingang

Ausstellung

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Thema/Bildinhalt

Thema/Bildinhalt (GND)
Teufel <Motiv>
Flucht <Motiv>
Gastwirt
Geld <Motiv>
Gast <Motiv>
Brand <Motiv>
Kamin <Motiv>
Alkoholkonsum <Motiv>
Karikatur
Trunkenheit <Motiv>
Gaststätte
Satirische Zeitschrift

Literaturangabe

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Fliegende Blätter, 36.1862, Nr. 883, S. 179 Universitätsbibliothek Heidelberg
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