Universitätsbibliothek HeidelbergUniversitätsbibliothek Heidelberg
Metadaten

Strocka, Volker Michael
Die Wandmalerei der Hanghäuser in Ephesos (Text): Die Wandmalerei der Hanghäuser in Ephesos — Wien: Verlag der österreichischen Akademie der Wissenschaften, 1977

DOI Page / Citation link: 
https://doi.org/10.11588/diglit.48995#0018
License: Creative Commons - Attribution - NoDerivatives
Overview
loading ...
Facsimile
0.5
1 cm
facsimile
Scroll
OCR fulltext
T. 1
T. 2

T. 2

T. 5

T. 3

T. 5, Plan

ZUR BAUGESCHICHTE DER HANGHÄUSER
Von H. Vetters
Die hier von V. M. Strocka vorgelegten und behandelten Wandmalereien wurden im Zentrum der antiken Großstadt Ephesos in zwei
mehrgeschossigen, reich ausgestatteten Insulae gefunden. Beide weisen eine verwickelte und schwierig zu deutende Baugeschichte auf.
Obwohl diese zwei Komplexe noch nicht gänzlich erforscht und freigelegt wurden, soll hier neuerlich versucht werden, die baugeschichtliche
Entwicklung der Anlagen, so weit sie bis jetzt bekannt und für das Verständnis der Wandmalereien notwendig ist, vorzulegen. Die
baugeschichtlichen Erkenntnisse sind ja zum Teil auch für die Datierungen maßgebend gewesen.
Gegenüber der Scholastikiatherme und dem Tempel des Hadrian hat bereits Franz Miltner in den Jahren 1957 bis 1958 Teile des Erd-
geschosses und des zweiten Stockes zweier großer Miethäuser freizulegen begonnen (Textabb. 1), die dann zwischen 1960 und 1973 vom
Unterzeichneten ausgegraben wurden (Textabb. 2)1. Es handelt sich um mehrgeschossige Bauten, die am Nordhang des Bülbüldag errichtet
sind. Mit ihrer Nordfront liegen sie an der Kuretenstraße (Plan). Dieser Straßenzug verläuft NW-SO, also schräg durch das ansonsten vor-
herrschende hippodamische Straßensystem, und hat daher in der Antike den Namen ep.ßokoc = Keil geführt2. Die Südfront dieser Häuser
folgt dem System der senkrecht sich schneidenden Straßen, wir gaben ihr den Namen „Hanghausstraße” (Grundplan). Sie mündet nach dem
sogenannten spätantiken Torbau nahe dem Memmiusdenkmal in die Kuretenstraße ein.
Normal (im 90°igen Winkel) zu dieser, dem vorher genannten System folgend, verlaufen steile, mit Treppen versehene, meist nur 3 m breite
Wege, denen wir den Namen „Stiegengassen” gegeben haben. Stiegengasse 1 verläuft zwischen Hanghaus 1 und 2, jenseits der Kuretenstraße
mündet sie in den überwölbten Gang westlich der Scholastikiatherme und der anschließenden Wohnhäuser und der Latrine. Hanghaus 2
begrenzt im Westen die Stiegengasse 3, welche sich in der breiten, spätantik restaurierten Marmorstraße östlich der Tetragonos Agora
fortsetzt. Im Osten begrenzt Stiegengasse 2 das Hanghaus 1. Ihre Verlängerung im Norden ist die steil den Panayirdag hinaufführende
„Badgasse”, die oberhalb des großen Theaters ihren weiteren Lauf nimmt3.
Der schräge Verlauf der Kuretenstraße hat bewirkt, daß alle zwischen den beiden Straßenzügen liegenden großen Häuser - der antike Name
lautete „insulae”4 - trapezförmige Grundrisse erhielten (vgl. Plan). Vollständig freigelegt ist bisher Hanghaus 1 (Textabb. 2). Seine Maße
sind beträchtlich: An der Hanghausstraße mißt die Breite 46,50 m5. Die Längsseiten sind der Grundform eines Trapezes entsprechend nicht
gleich lang. Die Westseite (= Stiegengasse 1) mißt 74,70 m, die Ostfront (an der Stiegengasse 2) 54,60 m. Diesem trapezförmigen Grundriß
entsprechend beträgt die Breite des Hanghauses 1 an der Kuretenstraße 50,10 m. Insgesamt ist eine Fläche von 2540 m2 am ansteigenden
Hang verbaut. Der Höhenunterschied von der Kuretenstraße zur Hanghausstraße beträgt 23,06 m6.
Hanghaus 2 liegt westlich von Hanghaus 1 und ist erst zur Hälfte freigelegt, doch dürfte die Größe ungefähr der des Hanghauses 1 entsprechen.
Das Verbauungsschema der beiden Komplexe ist nicht gleich. In Hanghaus 1 dominiert eine überaus große domus im dritten Geschoß,
ansonsten sind Mittel- und Kleinwohnungen festzustellen. Hanghaus 2 zeigte bisher im Südteil Nobelwohnungen, die jeweils um einen
Mittelhof (Peristyl) angeordnet sind (vgl. Plan).

HANGHAUS 1 (Plan, Textabb. 3-26):
Die systematische Freilegung hat bei dieser Insula insgesamt 15 Baustraten ergeben (Textabb. 5). Für die Stadtgeschichte interessant ist die
Tatsache, daß nach einem verheerenden Erdbeben während der Regierungszeit des byzantinischen Kaisers Heraklius (610-641 n. Chr.),
das vermutlich zwischen 612 und 616 (nach Münzfunden) anzusetzen ist, beide Insulae zugeschüttet und planiert wurden. Darauf entstanden
dann Einzelhäuser und längs der Hanghausstraße ein großes Magazin, das Teile der älteren Bauten mitverwendet. Es sind die Strafen 1-8, die
sich durch besondere Ärmlichkeit auszeichnen7.
Die Kuretenstraße entlang (Textabb. 3) sind quer zu dieser von West nach Ost 12 tonnengewölbte Tabernen angeordnet. Die Breite ist ungefähr
gleich groß, die Höhe der einzelnen Räume nimmt der ansteigenden Kuretenstraße entsprechend nach Osten zu ab. Diesem System von
Geschäftsläden ist eine breite Säulenhalle vorgelagert, deren Boden ein mit geometrischen Mustern verzierter Mosaikteppich bedeckte,
den ein für uns namenloser Alytarches gestiftet hat. Die Anlage ist auf Grund des Mosaikes in das späte 5. oder frühe 6. Jh. zu datieren8. Den
Mosaikboden stören die Künetten der Wasserleitungen der Tabernen, weshalb die letzte Baustufe zeitlich nach dem Mosaikboden anzusetzen
ist. Der Mauerstruktur nach9 sowie nach vereinzelten Freskenresten10 ist die Spätantike - 5. und 6. Jh. - als Bauzeit anzunehmen. Wie die
Textabb. 5 und der Gesamtplan deutlich machen, sind Taberna I und II zu einem Zeitpunkt entstanden, als die Stiegengasse 1 nicht mehr
in Betrieb stand und abgemauert worden war. Auch in der Höhe des 2. Geschosses des Hanghauses 1 ist diese Bauphase erkennbar. Sie ver-

1 ÖJh 44,1959, Beibl. 273; ebd. 44,1959 Beibl. 325; ebd. 45,1960 Beibl. 13 ff.
Vorberichte von F. Eichler im AnzWien 98, 1961, 69 ff; 99, 1962, 43 ff.; 100,
1963, 51 ff; 101,1964,42 ff; 102, 1965, 98 ff; 103,1966,13 ff; 105,1968,84 ff; 106,
1970, 85 ff; H. Vetters, ebd. 107,1971,110 ff; 108, 1971, 85 ff; 109, 1972,95 ff;
110,1973,186 ff; 111,1974, So. 8,9 ff.; ders., ÖJh 50,1975, Beibl.
2 A. B a m m e r, ÖJh 46,1961-63,136 ff. Es handelt sich um eine alte, heilige Straße.
Anz. 105,83. G. Langmann, Festschrift f. F. Eichler (1967) 104 ff. Zum Namen
»'EußoLo; vgl. J. Keil, ÖJh 29,1935, 89 ff.
3 Bammer, ebd. 136 ff.
4 Dazu Vetters, Zum Stockwerkbau in Ephesos, Melanges Mansel I (1974), 69.
5 Das ist etwas größer als die von A. Bammer errechnete, 140 Fuß messende Insula-
breite, a. a. O. 154, die er mit 41,46 m feststellte. Eher entspricht das Maß von 75

bzw. 150 Fuß = 44,10 m. Es fallt auf, daß das Maß durch Jahrhunderte gleich blieb.
6 Auch hier variieren die Maße, entsprechend dem ansteigenden Verlauf der
Kuretenstraße. Die Kotenmaße betragen auf der Kuretenstraße vor Einmündung
der Stiegengasse 117,26 m über Null Normal, 40,32 m an der Kreuzung mit der
Hanghausstraße.
7 Dazu vgl. Textabb. 5.
8 Maße im Westen 5,5 m, im Osten 4,5 m. F. Miltner, ÖJh 44,1959 Beibl. 325 f.
Zur Datierung vgl. W. Jobst, Die Mosaiken der Hanghäuser, FiE VIII/2 (in
Druckvorbereitung).
9 Ziegelausgleichlagen in breiten Bändern mit Bruchstein und Spolienmauem.
10 Tab. III. Miltner a. O. Sp. 15. Strocka, hier41.

12
 
Annotationen