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Strocka, Volker Michael
Die Wandmalerei der Hanghäuser in Ephesos (Text): Die Wandmalerei der Hanghäuser in Ephesos — Wien: Verlag der österreichischen Akademie der Wissenschaften, 1977

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https://doi.org/10.11588/diglit.48995#0088
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Hanghaus 2 - Wohnung ii

Gewölbekammern A und B entsprechend, ist auf dem durchgehend weißen Grund die Hauptzone von einem rund 6 cm breiten roten Streifen
409 eingerahmt und mit kleinen Rosen (durchwegs 11 cm lang) und roten Blütengirlanden gleichmäßig, aber ohne starre Ordnung bestreut. Der
353 durchschnittlich 65 cm hohe Sockelstreifen trägt einen Zinnen-Mäander (50 cm hoch) mit runden Eckknoten. Die Felderbreite schwankt
zwischen 39 und 49 cm. In jedem Feld steht ein Blütenstern mit diagonalen grünen Blättern und kreuzförmig angeordneten roten Blüten.
Diese sind dreiblättrig, die Diagonalen durch zusätzliche grüne Tupfen betont. Die Sockelzone schließt unter dem roten Rahmen des Haupt-
feldes mit einem schwarzen Strich ab. Der Mäander ist in seinen unteren Partien streckenweise gelb und verfärbt sich nach oben in Rot.
Denselben Effekt zeigte schon SR 2. So wird Gelb die ursprüngliche Farbe sein, die in der Hitze des Zerstörungsbrandes, obwohl keine
unmittelbaren Brandspuren nachzuweisen sind, sich in Rot verwandelte. Damit mag Zusammenhängen, daß außer neben einer gelb gebliebe-
nen Mäanderpartie die grüne Farbe der Blätter überall vergilbt ist.
Datierung
2. Schicht
79 ff. Die von Streurosen bedeckten Hauptzonen der Wände erinnern sogleich an die ganz ähnliche Dekoration in H 2/A und B und darüber hinaus
93 an die Gewölbemalereien des Siebenschläfer-Coemeteriums. Unglücklicherweise sind keine Figuren, Vögel oder Körbe erhalten, die zu
eingehenden Vergleichen dienen könnten. In der Form und Strichführung stimmen aber die Rosen und verstreuten Blätter mit denjenigen von
H 2/A und B und - vielleicht nicht ganz so stark - im Siebenschläfer-Bezirk so weitgehend überein, wie es bei verschiedenen Händen, die
wohl anzunehmen sind, nur denkbar ist. Kleine Unterschiede im Rahmungssystem und im Sockel-Mäander zwischen SR 14 (2.) und H 2/A und
B lassen sich eher als gleichzeitige Variationen denn als chronologisches Indiz werten, nicht anders als die Einstreuung einer zweiten
Blumenart an der Decke des Apsidensaals des Siebenschläfer-Coemeteriums. Wie der bemerkenswerte Qualitätsunterschied zwischen
Figuren und Rahmenomament in H 2/A und B nicht erlaubt, dieses oder jenes Element chronologisch zu verwenden, sondern höchstens
Rückschlüsse auf die Arbeitsverteilung zwischen Meister und Geselle zuläßt215, so sind in SR 14 (2.) Sockel, Rahmung und Verteilung der
Rosen viel sorgfältiger und gleichmäßiger ausgeführt als in H 2/A und B, ohne daß sie deshalb früher sein müssen. Der Sockel-Mäander findet
95 schließlich ein ziemlich genaues Gegenstück in einem bisher unbeachteten Malereirest der Westwand des Krypta-Vorsaals des Siebenschläfer-
Coemeteriums.
Aus den genannten Beziehungen ergibt sich, daß SR 14 (2.) etwa gleichzeitig mit H 2/A und B und kaum später als die Siebenschläfer-Malerei
entstanden sein muß, also um oder kurz nach 400.

H 2/SR 18 (ELFENBEINZIMMER)

Eichler, AnzWien 1969, 11.
Baubefund
Plan Der Raum (Südwand 3,70 m, Nordwand 3,60 m, Ostwand 4,00 m, Westwand 3,80 m) hat seinen Namen von den bedeutenden Elfenbeinreliefs,
die hier, vom Oberstock herabgestürzt, gefunden wurden216. Er ist über Schwellen mit dem tieferliegenden SR 14 und dem höherliegenden
SR 15 verbunden, ferner über zwei Stufen, offenbar nach einem Umbau, mit SR 19-20. Sein Licht erhielt SR 18 wohl durch ein hochliegendes
Fenster der Nordwand. In die Westwand wurde nachträglich ein Schrank eingebaut. Davon abgesehen ist die Malerei einheitlich, eine
darunterliegende Schicht nicht nachweisbar.
Beschreibung der Malerei
118-124 Wie in den vorhergehenden Räumen sind die weißen Wände mittels 5 -6 cm breiter roter Streifen in Hauptzone und Sockel aufgeteilt. Zwischen
den mehrfach gerahmten 1,14-1,18 m breiten Hauptfeldern der Ost- und Westwand befinden sich 28-29 cm breite Lisenen, die über dem
durchlaufenden Sockel enden. Entsprechend war die bis auf einen Teil ihres Sockels verlorene Nordwand gegliedert. In den Türgewänden
nach SR 14 und SR 20, die im Unterschied zu denen nach SR 15 zur selben Phase gehören, gehen die rund 50 cm breiten Lisenen bis auf den
359. 356 Boden. Der Sockel ist ähnlich wie in SR 10 a+b (2.) eingeteilt: Schwarze Doppellinien mit schrägem Abschlag nach rechts stehen senkrecht in
der Achse sowohl der Felder wie der Lisenen. 3 cm unter dem röten Rand läuft eine schwarze Linie waagrecht durch. In der Mitte der Sockel-
383. 386. 392 felder schweben Blattbüschel. Die Blütenbäume in den Lisenen sind von der einfachsten Art, ähnlich denen in den Türgewänden von
391 H 2/A und B (s. o. S. 57). Lilienähnliche rote und grüne Blüten stehen senkrecht übereinander, verblüffend einfach hergestellt durch einen
senkrechten und zweimal zwei schräge Tupfen an den Seiten. Eingefaßt werden sie von symmetrischen Linienpaaren, nämlich einem roten

215 Dagegen nicht zwischen Figurenmaler und Ornamentmaler, da die Qualität 216 AnzWien 1969,12 Taf. 1b; 1970,18 f. Tat. 9a. b; 1972,20 Tat. 22; 1973,194 Tat. 22.
der Girlanden vorzüglich, die der Lisenen- oder Mäanderfüllungjedoch erbärm-
lich ist.

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