Hochschule für Industrielle Formgestaltung [Hrsg.]
Kolloquium zu Fragen der Theorie und Methodik der Industriellen Formgestaltung — 3.1979

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Manfred Queißer

ÄBthetiectie Wertorientierunsen und Charakter der Arbeit

Die vom Menschen gesohaffene "Welt der 7ortnen" reflektiert
elne Yielfalt sozialer Beziehungen. Bs gehört zu den inter-
essantesten Aufgaben der Kulturtheorie und Soziologie, da-
mit verbundene OesetzmäBigkeiten menschliohen Terhaltens zu
untersuchen. Mein Bemühen ist es, aus den Bedingungen der
Arbeit primäre ästhetisohe Wertorientierungen abzuleiten,
die für den Pormgestalter von Interesse sein könnten. Daß ioh
dabei tief in die Gesohichte zurückgreife, ist sowohl der
Verdeutliohung des Anliegens als auoh neohistoristisohen Strö-
mungen in der Ästhetik als gesellschaftliche Position zu-
zusohreiben.

Was sind Wertorientierungen?

In der Lebensweise von Individuen und sozialen Gruppen lassen
sioh charakteristische, auf die Realisierung bestiomter Inter-
essen gerichtete Denk- und Verhaltensweisen, erkennen. Sind
diese durch eine relative Konstanz in den Hinwendungen gekenn-
zeichnet, spreohen wir von Wertorientierungen. Sie vermögen
die ganze Lebenshaltung zu durohdringen, da mit ihnen die
Verwirklichung von Lebensinhalten verbunden ist. Da in der
Regel mehrere Wertorientierungen ausgebildet sind, nehmen
diese eine Rangplatzordnung ein. In der Lebensweise ergibt
sioh aus den Verwirkliohungsbedingungen das jeweilige Vorzugs-
verhalten. In der Bntwicklung lassen sioh in Abhängigkeit von
Lebensbedingungen und deren Einfluß auf die Befriedigung von
Grundbedürfnissen übergänge zu höheren Pormen der Hinwendungs-
orientierungen erkennen. Sind z. B. Mangelzustände im Erwerb
von Hahrung, Kleidung und Wohnung überwunden, erfolgen lm Zu-
sammenhang mit Innovationen in der Persönliehkeitsbildung
übergänge zu höheren Pormen der Lebenserfüllung, wie der
Hinwendungen zu Konst und Wissensehaft.

In eimem Brief an den russisehen Publizisten und Theoretiker
der Volkstümler P. L. Lawrow vom Hovember 1875 schreibt Fried-
rich Engels» "Die Produktion der Menschen erreicht ... auf

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