Münsterbau-Verein <Freiburg, Breisgau> [Editor]
Freiburger Münsterblätter: Halbjahrsschrift für die Geschichte und Kunst des Freiburger Münsters — 10.1914

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Hans Gitschmann

genannt von Ropstein (oder Raperstein)

der Hauptmeister der Glasgemälde im Chor des

Freiburger Münsters.

Von

Archivrat Prof. Dr. Peter P. Albert.

jur weitern Ausführung und Erläuterung
der von mir im vorigen (IX.) Jahrgang
der „Münsterblätter'' S. 34 über den
Frei burger Glasmaler Hans Gitschmann,
seine Tätigkeit und seine Familie ge-
machten Mitteilungen sowie des schon von Fr. Gciges
im IV. Jahrgang dieser Blätter (1908) S. 70rf. Ge-
sagten mögen folgende, aus den städtischen Rats-
protokollen, Missiven, Steuerbüchern und anderm
Material entnommene Auszüge dienen. Ihre Zahl
ließe sich leicht vermehren; doch dürften sie auch
in dem vorliegenden Umfang der Hauptsache nach
abschließend sein.

Der von 1481 bis 1492 in den Steuerregistern
vorkommende „Hans (der) glaser" ist hierbei außer
Betracht gelassen, da der Zusammenhang zwischen
ihm und dem seit 1509 in Freiburg ansässigen „Hans
(der) glaser" genannten Gitschmann noch der Ermitt-
lung harrt.

1509 Februar 7. - - Uf hut ist Hans glaser von
Rapoltstein vor rat erschinen und [hat] sich mit einem
rat betragen, das man in uf her Hansen von Rischachs1

J Hans von Reischach zu Weiler, von 1496 bis zu seinem
Tod um 1524 Satzbürger der Stadt Freiburg, hatte wohl in seiner
Eigenschaft als Vogt von Reichenweier (1507—1512) Beziehungen
zu dem aus dem nur drei Wegstunden von Reichenweier ent-
fernten Klein-Rappoltstein stammenden Glasmaler. Weitere
Beziehungen ergaben sich dadurch, dass eine Tochter Hans von
Reischachs, Apollonia, seit 1506 mit dem aus Hans Baidungs
Zeit bekannten Münsterbaupfleger Bastian von Blumneck ver-
heiratet war. — Zu Ammerschweier wohnten gegen Ende des
15. Jahrhunderts die aus Klein-Rappoltstein zugezogenen Gitsch-
mann in der Schmiedsgasse unmittelbar neben der Familie
Geiler, der auch der zu Ammerschweier aufgewachsene be-
rühmte Johannes Geiler von Kaisersberg angehört.
Freiburger Miinsterblätter X, 1.

pit fri hie wel lassen sizen, also das er hütens, wachens
und sturens fri sin [soll]; zunft soll er haben, desglichen
körn- und winzoll geben.

Rats-Prot. 10 (1506-1512) Bl. 114v.

1509 Juni 12 — Gerechnet mit meister Hansen
dem glaser uf zinstag nach corporis Christi anno etc.
nono und blibt [derselbe] von bli und dem geliehenen gelt
schuldig 20 gülden in gold.

Stadtwechsel-Geschäftsbuch 1509—1516.

1509 Juni 28 — Bürgermeister und Rat von Freiburg
empfehlen dem Vogt, den Richtern und der Gemeinde
zu Weisweil, die „willens sint etwas glaswerk in der
kirchen und bei sich zu machen", den Meister Hans
glaser, ihren Hintersaßen, „so erlich und redlich bi
inen haltet und in seinem handwerk für ander berumpt
und vast geschickt ist".

Missiven Bd. 8 (1509—1512) Bl. 17i.

1511 August 15 — 1513 Februar 2. — Dise venster
wurden angefangen uf unser frouen tag im äugst anno
1511 und sind vollendt alle die oben in dis [em] kor uf
Marie liechtmeß anno 1513, got si lob. — Dise arbeit
ist angefangen und usgemacht durch meister Hansen von
Ropstein und Jacob Wechtlin und Dieterich Fladenbacher
glaser.

Inschrift auf einem Hochchorfenster des Münsters nach
J. Marmon, U. L. Frauen Münster (1878) S. 114; Geiges a. a. O.
S. 68.

1512 Juni 10 — Anno domini MDX1I uf corporis
Christi do ward . . . (Lücke). Dise venster alle hat ge-
macht meister Hans von Ropstein der glaser etc.

Inschrift auf dem vierten nördlichen Hochchorfenster des
Münsters nach Marmon a. a. O. S. 115; Geiges a. a. O. S. 70f.

1512. -- Item meister Hans glaser [hat] 12 gülden
9 Schilling 8 pfenning [vom Stadtwechsel erhalten]. -
Item für 100 gülden und 6 gülden bli in koufhus [hat
Meister Hans der Glaser zu bezahlen?]

Stadtwechsel-Rechnung 1507— 1762.

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