Münsterbau-Verein <Freiburg, Breisgau> [Editor]
Freiburger Münsterblätter: Halbjahrsschrift für die Geschichte und Kunst des Freiburger Münsters — 10.1914

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Albert, Konrad Buchner, ein Freiburger Münsterorganist des 16. Jahrhunderts

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starb 1552; am 24. Oktober dieses Jahres wird seine
Witwe, Anna geb. Wolff von Konstanz, und ihr
Töchterchen Martha mit Peter Ecklin bevogtet.

Konrad Buchner hatte mit dem Organistendienst
auch die für diesen am 29. November 1465 mit Be-
willigung Bischof Burkhards II. von Konstanz durch
Zuteilung des St. Lamberts- oder Corporis Christi-
Beneficiums geschaffene Organistenpfründe („St. Lam-
prechtspfruond zuo der orgel") und das durch Erlass
Bischof Ottos IV. vom (15. November?) 1482 mit ihr
vereinigte Tannheim- oder Soderbeneficium auf dem
St. Katharinenaltar1 innegehabt und war hier der

' Die Einverleibung einer dritten Präbende wurde 1506
angestrebt. Am 22. Oktober dieses Jahres schreiben nämlich
die (drei) Kollatoren der Wernher von Amoltern-Pfründe im
Münster an Bischof Hugo zu Konstanz: „nachdem bishar des
merklichen grossen buws halber, der an der pfarkirrchen alhie
gefürt würt, ein Organisten alhie nit komenlich gelont mag
werden", seien sie „von den pflegern derselben kirchen ernst-
lich angesucht worden", dass sie „als lebenhern verwilligen und
zulaussen wölten, damit hern Wernhern von Amolternpfründ
uf sant Peter und sant Pauls altar, deren lihung" ihnen von
ihrer Ämter wegen zustehe, „der orgel etlich jar lang incorpo-

Nachfolger des Herrn Valentin Glanntz gewesen.
Außerdem hatte er auch bis zu seinem Tod die
St. Sylvesterpfründe im Münster zu Konstanz, „so
von alters her eine schulerpfründe gewesen", be-
sessen2, woraus hervorgeht, dass er vor seiner Be-
rufung nach Freiburg in der Domkirche zu Konstanz
in Amt und Würden stand. Seine Hinterlassenschaft
fiel an seine Verwandten zu Konstanz. „Lienhart
Joß von Costentz als erbe Hans Cunraden Buchners des
Organisten seligen im mänster", heißt es im Ratsprotokoll
vom 9. August 1540, „nämlich Jacob Kaltt Zunftmeisters
und Jacob Kaltten tuchmachers, beider burger daselbs
und seiner geschwisterden, meister Hansen Buchners
Organisten seligen eelicher kinder vögten anwald ist in
desselben Hansen Cunrads verlaßen hab und gut ein-
gesetzt; hat zu bürgen geben Sigmunden Veiß[t]lin apo-
theker und Caspar Hecklman schnider, habent alle ge-
schworn etc."

riert und also ein Organist mit zimblicher belonung fürsehen
würd". Dieses gegründete und „uf frie resignacion Johansen
Kreyß clerick, des letsten besitzers", leicht zur Durchführung
zu bringende Ansuchen unterstützen sie lebhaft und bitten den
Bischof um Vollzug der Inkorporation.
- E. von Werra a. a. O. S. 92.

Zwei Volkssagen über das Freiburger Münster.

(Nach Heinr. Schreiber, Die Volkssagen der Stadt Freiburg

Jreisgau und ihrer Umgegend [1867] S. 17 f.)

1. Der unterirdische Gang in das Münster.

Die Herzoge von Zähringen liebten Sicherheit
und Bequemlichkeit. Darum ließen sie von ihrer
schönen Burg auf dem Schlossberg ob Freiburg, wo
sie gewöhnlich Hof hielten, einen Gang unter der
Erde in das Münster machen und stiegen dann, un-
gesehen von Feinden oder wenn es kalt war, an
hohen Festtagen, aus dem Hahnenturm herauf und
setzten sich in ihren Chorstuhl.

An diesen Gang stößt auch das Gewölbe, in
welchem die uralten Münsterschätze und Münster-
briefe aufbewahrt werden, ein unermesslicher Reich-

tum. Der Gang aber ist vom Berg herunter ver-
schüttet; im Münster findet man ihn bei dem Steine
mit a b c. Ich weiß von einem Fabrikpfleger am
Münster (oder Hüttenherrn, wie sie ihn nennen),
welcher lange nach diesem Steine gesucht und dabei
den Hahnenturm beinahe baufällig gemacht hat. Da
wurde es ihm aber verboten, was er seinen Obern
nie verzeihen konnte. Noch auf dem Totbett ver-
sicherte er, er sei schon daran gewesen, den rechten
Stein mit dem a b c zu finden.

2. Das Silberglöckchen im Münster.

Das Silberglöckchen im Münster ist eine Stiftung ihn die Herzoge vernahmen, machten sie sich in das

der Herzoge von Zähringen, mit welchem die gleich- Münster auf den Weg; entweder durch den geheimen

falls von ihnen gestiftete Frühmesse eingeläutet werden unterirdischen Gang oder sie ritten in die Stadt

musste. Dies geschah jeden Morgen von V4 nach 4 herunter und banden sodann ihre Rosse am Haupt-

bis 5 Uhr. Der helle Klang des Glöckchens drang portal des Münsters fest, wo die dafür bestimmten

bis hinauf zur Burg auf dem Schlossberg, und sobald eisernen Ringe noch lange Zeit zu sehen waren.
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