Geffcken, Johannes
Der Bildercatechismus des funfzehnten Jahrhunderts und die catechetischen Hauptstücke in dieser Zeit bis auf Luther (Band 1): Die zehn Gebote, mit 12 Bildtafeln nach Cod. Heidelb. 438 — Leipzig, 1855

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Vorwort.

Wie Arbeit, von welcher ich jetzt die erste Abtheilung herausgebe, hat mich seit beinahe zwei
Jahrzehnten beschäftigt. Freilich wäre eine so lange Zeit nicht erforderlich gewesen, wenn auch nur ein
erheblicher Theil der zu benutzenden Quellen zusammen wäre anzutreffen, oder auch nur zusammen
wäre verzeichnet gewesen. Es kam aber darauf an, eine verlorene, jedenfalls vergessene Literatur
Schritt vor Schritt wieder zu entdecken und im Zusammenhange zu begreifen. Mancher Weg, welchen
ich zu diesem Zwecke betrat und längere Zeit nicht ohne Mühe verfolgt hatte, führte am Ende zu
einem sehr geringen oder gar keinem Ergebnisse. Zu andrer Zeit fiel mir eine reiche Ausbeute in die
Hände, wo ich sie kaum erwartete. Wie wenig die fragmentarischen Notizen sagen wollen, die Lan-
gemack Historia Catechetica Tom. L, Köcher Catechetische Geschichte der päpstischen Kirche, und
Andre über die von mir bearbeitete Zeit gegeben haben, wird aus den nachfolgenden Mittheilungen
wohl erhellen. Das Schlimmste aber war, dass jene dürftigen Notizen sich noch vielfach als falsch er-
wiesen und statt den rechten Weg zu zeigen, vielmehr in die Irre führten. Meist werden nur Bücher-
Titel angeführt, ohne Bekanntschaft mit dem was die Bücher enthalten, oft wird aus einem unbestimmten
und räthselhaften Titel auf einen ganz andern Inhalt geschlossen, als das Buch wirklich hat. Bei dem
Geiste confessioneller Befangenheit, in welchem jene Werke geschrieben waren, kam es den Verfassern,
wenn sie über die vorreformatorische Zeit ja etwas sagten, nur darauf an, einen recht dunklen Hinter-
grund zu zeichnen, auf welchem sich das sechszehnte Jahrhundert desto glänzender abheben mögte.

Da ich mich nun auf einem unbekannten Felde, dessen Gränzen sich vor meinen Blicken nach
und nach immer mehr erweiterten, ohne Führer zurecht zu finden hatte, so konnte es i nicht genügen, das
Eine oder Andre der meist sehr seltnen Bücher, wenn es mir nach jahrelangem Suchen endlich ge-
lungen war, es in die Hände zu bekommen, nur eine Zeitlang zu benutzen, sondern ich empfand die
Notwendigkeit, mir diese Bücher wo möglich selbst zu erwerben, um sie wiederholt mit einander ver-
gleichen und neben einander gebrauchen zu können. Der Verkauf mehrerer Klosterbibliotheken und
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