Geffcken, Johannes
Der Bildercatechismus des funfzehnten Jahrhunderts und die catechetischen Hauptstücke in dieser Zeit bis auf Luther (Band 1): Die zehn Gebote, mit 12 Bildtafeln nach Cod. Heidelb. 438 — Leipzig, 1855

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Ich nenne endlich noch ein Buch, das um seines bedeutenden Unifangs willen, entschieden in die erste
Ciasse gehört, mit dem wir aber zu der zweiten Classe füglich übergehen können, weil es ein sehr beliebtes
Lesebuch Aller gewesen zu sein scheint, welche Latein verstanden, ich meine das schon mehrmals genannte
Buch ude eruditione Christifidelium!'' Der Verfasser nennt sich Discipulus, sein eigentlicher Name soll
Johann Herolt gewesen sein, der unter demselben Namen Discipulus auch Sermones de tempore et de Sanctis
geschrieben hat. Dieser Johann Herolt ist eine räthselhafte Person, und ich weiss nicht, ob wir ihn in das
erste oder das dritte Viertel des 15. Jahrhunderts setzen sollen. Oudin (de scriptoribus eccl. III., p. 2654)
berichtet, er habe 1460—70 geblühet. Dagegen geht aus seinem Sermo85 unzweifelhaft hervor, dass derselbe
1418 geschrieben ist. Jedenfalls hat Herolt auf seine Zeit einen bedeutenden Einfluss gehabt, und aus seinem
Buche ist Vieles in andere Beichtbücher tibergegangen. Man könnte nicht sagen, dass er über seiner Zeit stehe,
er steht vielmehr ganz und gar darin. Während er den Aberglauben straft, ist er doch selbst von ihm be-
herrscht, und giebt uns von den Volkszuständen in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts mit einer ziemlich
breiten Geschwätzigkeit ein anschauliches Bild. Dass er besonders den Predigern nützen wollte, geht daraus
hervor, dass er am Ende seines Buches eine ausführliche Tabula: "pro sermonibus de tempore ex hoc libro
colligendis" hinzugefügt hat. Worüber sich das Buch verbreite, ist schon oben (S. 22) angegeben worden.
Hain verzeichnet 8516 — 22 sieben Ausgaben. Auch nach 1500 ist das Buch öfter aufgelegt. Die Ausgabe,
deren ich mich bedient habe, *ohne Ort, Jahr, Drucker, Blattzahlen und Custoden, besteht aus 190 Blättern,
(1 und 2a weiss, 2b und 3 Inhalt, 4a Vorwort, 4b weiss, Bl. 176—183b Tabula, 183 b —190 a Register)
in Fol. mit 42 Zeilen. Sie ist ohne Zweifel sehr alt, Panzer Ann. IX., pag. 208, No. 463 schreibt sie dem
Georg Husner und Johann Beckenhub in Strasburg zu, Hain No. 8516 hält sie für die älteste und nimmt als
Druckort Reutlingen an. Bl. 5—73 b handelt von den zehn Geboten.

Fünftes Capitel.

Bücher für ungelehrte Beichtväter zum unmittelbar practischen Gebrauch.

Als das Erste in dieser Reihe muss das Beichtbuch des Erzbischofs Antonin von Florenz genannt
werden, denn es hat ohne Zweifel auf alle Beichtbücher des 15. Jahrhunderts den grösslen Einfluss geübt. Der
Verfasser von "Der Spiegel des Sünders" (Beilage IV.) nennt es als seine Quelle und hat es, wie ich an
verschiedenen Stellen nachgewiesen, oft geradezu übersetzt. Wie verbreitet und beliebt das Buch zu seiner
Zeit gewesen sein muss, geht daraus hervor, dass Hain 1162—1234 bis 1500 nicht weniger als 72 Ausgaben
anfuhrt und doch ist das Verzeichniss bei weitem nicht vollständig.*) Panzer hat aus der späteren Zeit noch
unter verschiedenen Titeln eine ganze Zahl lateinischer und italienischer Ausgaben aufgeführt. Kloss (Catal.
p. 21—22) besass sieben Ausgaben. In der Ausgabe welche Hain *1162 für die Erste hält (sie ist offenbar
in Cöln von Ulrich Zell von Hanau, dem Schüler Gutenbergs, vortrefflich gedruckt) wird das Buch Tractatus

*) Zwei Ausgaben, die bei Hain fehlen, besitze ich: 1) s. Fol., 70 Bl. in 5 Cot. mit 40 Zeilen, es scheint ein römischer
1. & a., Fol., 70 Blätter in 2 Col. mit 41 Zeilen. 2) s. 1. & a. Druck und hat die rothe Unterschrift: emtaromep. f. th.zeidP 1478.
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