Geffcken, Johannes
Der Bildercatechismus des funfzehnten Jahrhunderts und die catechetischen Hauptstücke in dieser Zeit bis auf Luther (Band 1): Die zehn Gebote, mit 12 Bildtafeln nach Cod. Heidelb. 438 — Leipzig, 1855

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einen jüngeren Mann vor. Dem Ersteren folgt ein Engel, dem Andern, der bewaffnet ist, sitzt ein Teufel auf
dem Nacken, also wird dieser wohl den Aelteren mit einem falschen Eide betrügen. Die Unterschrift lautet:
Du solt gols namen nit unnütz in dein munt nemen."

Zehntes Capitel.
Das dritte Gebot.

Herp und Nider dehnen ihre Behandlung des dritten Gebotes dadurch sehr aus, dass jener in seineu
19.Sermonen auch von der gula und ihren Töchtern, so wie von den vier Cardinaltugenden redet, dieser aber
unter dieser Rubrik in 14 Capiteln über alle sieben Sacramente schreibt. Fn allen unsern Büchern wird er-
örtert, dass die Christen mit Recht statt des Sabbaths den Sonntag feiern. Dies lag besonders dem Nicolaus
de Lyra nahe, der selbst früher Jude gewesen war. Er beruft sich, wie auch Wickleff, auf die Auferstehung
Christi und die Ausgiessung des heiligen Geistes, und Wickleff erklärt, es müsste der Tag darum nicht Sonntag,
sondern Tag des Herrn genannt werden. Herolt Blatt 23 — 24 sagt: der Sonntag müsse aus zwölf Gründen
gefeiert werden: 1) Gott habe an dem Tage Himmel und Erde und die Engel geschaffen. 2) An dem Tage
stand die Arche Noae. 3) Gott entriss sein Volk der ägyptischen Gefangenschaft. 4) Es regnete zuerst an dem
Tage das Manna. 5) Christus ward an ihm geboren. 6) Von Johannes getauft. 7) Das Wasser in Wein
verwandelt. 8) Die fünf Tausend gespeist. 9) Durch Palmen geehrt. 10) Christus erstand. 11) Der heil.
Geist gesandt. 12) Wird an dem Tage das Gericht sein.

Was nun das Feiern des Sonntages betrifft, so fügt Guido de Monte Rocherii noch Folgende Feste
hinzu, die gleich dem Sonntage sollen gefeiert werden: Nativitas domini, festum sancti Stephani, Joannis evan-
gelistae, sanctorum Innocentum, Siluestri, circumcisio, Epiphanie, puriflcationis Marie, Sanctum pasca cum tota
ebdomada, tres dies rogacionum, Ascensio domini, Pentheco, Joannis babtistae, duodecim apostolorum maxime
Petri et Pauli, Laurentii, Assumptionis marie virginis, natiuitas eiusdem, dedicatio cuiuscunque oratorii, sancti
Michaelis, omnium sanctorum, sancti Martini et istae feslivitates, quas singuli episcopi in suis ecclesiis cum
populo sibi subdito collaudaverunt. Die Feste der Heiligen schärft Herolt in zwei Capiteln besonders ein.
Die Feier des Sonn- und Festtages soll nun geschehen durch Unterlassung knechtischer Arbeit (opera servilia),
und unziemlicher Ergötzlichkeit, als Spielens, Tanzens, Schlemmens u. s. w., so wie auf der andern Seite
durch Messe und Predigt hören, Lesen, andächtige Betrachtungen und Belehrung der Kinder in göttlichen
Dingen. Ich darf mich auf die in den Beilagen gegebenen Auszügen (besonders s. 56 flgg. und 116 flgg.)
berufen, und füge nur noch Einiges bei. Nach Herolt sündigt man gegen das Gebot: 1) durch Handarbeit,
3) durch Gerichthalten, 4) durch Fahren, 5) durch Arbeit, wie Hufschmiede, 6) die Kränze machen, 7) die
vor dem Feste zu lange arbeiten, S) die an Festtagen sündigen. Dass Herolt kein strenger Logiker ist, wissen
wir schon. Ueber das Tanzen hat Herolt einen eignen Abschnitt. So sagt Johann Wolff: Ich han verbodeu
grob arbejt gethan mit farn, mysten, hultz ha wen, spynnen, nehen, mit keuffen und verkeuffen, dantzen, luten
slagen zu dancz, ludern, spielen, und mit andern sundlichen wercken. Ich han nit messe gehört, predige und
byn versumelichen gewest an dem dinst des allmechtigen gotis. Ich han nit rue und leyt gehabt über myn
sunde, und mich nit mit yme vereiniget und versuenet. Darumb heyszet der sontag sontag, daz ist versunetag
u.s.w. In den Beichtfragen Cod. Giess. 851 Bl. 4 heisst es: Hast du Gottes wort gehört? Hast du verhindert
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