Geffcken, Johannes
Der Bildercatechismus des funfzehnten Jahrhunderts und die catechetischen Hauptstücke in dieser Zeit bis auf Luther (Band 1): Die zehn Gebote, mit 12 Bildtafeln nach Cod. Heidelb. 438 — Leipzig, 1855

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Abgrunde, in welchem ein Drache ist, an einem Baume hängt, an dessen Wurzeln eine weisse und eine
schwarze Maus nagen; eben so die Geschichte von der Stadt, in der man alle Jahr einen Fremden auf ein
Jahr zum König wählte. So wird das erste Gebot in 25Capiteln behandelt, von denen jedes eine Geschichte,
eine Legende oder eine Parabel enthält.

Wenden wir uns zu Rus, so beginnt er, man solle die Gebote Gottes lehren und schreiben in den
Kirchen und Häusern. Doch fährt er fort "Sünder de prelaten unde ok vele leigen mit den meenen papen
malen leuer in eren husen unnutte unde schentlike ghemelte, dede to den sunden reisen unde gheuen lifflike
wollust, unde vorgheten de bade godes." (Cap. 29) Die Erfüllung der Gebote Gottes soll hervorgehen aus
der Furcht und Liebe Gottes "Darumme weth, dal alle bade gotes sint vele unde ein, vele in der delinghe
unde eyn in der wortelen, de de leue is. Zum ersten Gebote übergehend sagt er dann "Wo vele sunde wy
hebben, so vele nyger gode hebbe wy," Wir sehen, dass einige für Gott haben "den hauik, den valken, de
hunde, de perde, alze de iegher, unde etlike de koge, de ossen, de schape, de swine, alze de borghere unde
de buren, etlike golt unde suluer alze alle gizigen, etlike de iamerken vrouesnamen {[elenden Frauen) alze
de unkuschere, dede koslliken kleden ere bysleperschen, wen den leuendighen Christen unde dat hillige bilde.
Das Gebot brechen, die vor Reichen die Kniee beugen, oder Kniebeugen von Andern annehmen. Ernstlich er-
klärt er sich gegen das Anbeten der Bilder "Dorumme (BI. 48) were de minsche alto dwelich (irrend, un-
verständig), dede bedede seggende: Ey leue bilde vorgifT my de sunde, edder entwyde (befreie) my, edder
bydde vor my, edder my lucke." Bilder sollen nur die "simpeln" lehren, "De ersten cristen vormerden
(formten) de bilder nicht" sie hatten Christum im Herzen, jetzt müssen wir durch die Bilder an Christi Lei-
den gemahnt werden, aber über das schöne Bild werden oft Christi Leiden vergessen. Auch rügt Rus die
Abgötterei, welche mit kostbar beschlagenen (besmiddeden) Büchern getrieben ward. Die schlichten Bücher,
welche dieselbe Schrift hallen, würden nicht geachtet, "unde de besmiddeden heft he lef. Unde in deme is
he duller wen de ape, de de not nimpt unde belustet sik nicht in der schellen, sunder tohant socht he na
der kernen." Die Bilder anzubeten und zu verehren sei etwas Verschiedenes. (Cap.35.) Man bete an "wen
man dat houet nyghel, den lichani boghet, de kne dale seilet, de arme uphefft, de hende voldet unde uphefft
den ganzen licham, de kaghelen effte den hod aifthut" das Alles ziemt sich nicht. Gegen das Gebot sündigen,
die sich köstlich gekleidet "mit güldenen kappen, mit durbaren (kostbaren) malrausen(?)" in der Kirche
zeigeu und "kolsen" (schwatzen) und lachen. Er klagt über unziemliche Bilder "in de stede des lidendes
christi malen se den strid van troye unde in de siede der apostele malen se nyterdes dantz (etwa Todten-
taulz?) effte andere nakede untüchtige wiuesbilde unde meerwunder mit bloten brüsten." Er tadelt auch den
Reliquiendienst "de olden bente" sollen "nicht mer ghewesen (Pghewiset) werden uth den Schoppen (Pschap-
pen) noch uthghelecht to kope." Aber die Habsucht der Priester begünstige den Reliquiendienst "Nu hebben
ein biworth (Sprichwort) ok de buren: Wo wol kan de pape den suluernen ende inleyden, wen se hören,
dat he sechl, dat se scholen gan to dem hillichdome unde scholen updoen ere herten, dat is de budele."

Uns bleibt noch übrig einen Blick auf die bildlichen Darstellungen des ersten Gebotes zu werfen.
Die erste Tafel bedarf kaum eines erläuternden Wortes. Oben die Worte des Gebotes: Non habe bis
deos alienos. Exodi XX. Gott in der Glorie trägt in der Linken die Erdkugel und hebt von der Rechten
zwei Finger warnend empor. Ein Engel, der seine Rechte auf einen Knieenden gelegt hat, spricht das Gebot:
"Du sali anbeten eynen got Alz her dir geboten bot." Die Antwort des daneben stehenden missgestalteten
Teufels steht auf einem Legendenbande, welches er hall. Höhnisch erwidert er: Was hostu gomman (Mass-
mann nimmt an, das Wort sei aus gom oder gam, das in Bräutigam erscheint, und so viel als Mann heisst, ■
und man zusammengesetzt) czu schaffen, los beten monche und pfaffen." Ueber die beiden Bilder der Heidelb.
Handschr. vgl. Beil. S. 2 u. 4

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