Geffcken, Johannes
Der Bildercatechismus des funfzehnten Jahrhunderts und die catechetischen Hauptstücke in dieser Zeit bis auf Luther (Band 1): Die zehn Gebote, mit 12 Bildtafeln nach Cod. Heidelb. 438 — Leipzig, 1855

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nicht, wenn er etwa durch Spiel und andere Eitelkeiten das Seinige verschwendet hat. Gegen das Gebot sündigen
die Frauen, die dem Manne sein Gut durchbringen, die ungetreuen Knechte und Mägde, die gewissenlosen Hand-
werker, die gefundene Sachen nicht zurückgeben, ("fynden und rouben acht got glich, Dann er das hertz
ansieht und dich," sagt S. Brant XX,, 29 — 30), die ihre Opfer und Zehnten nicht ordentlich bezahlen. Er
zählt dann zwölf Gattungen von Kaufleuten auf, die sich durch ihre Handlungsweise die Verdammniss zuziehen.
(Aehnlich: dal licht der sele, Beil. 8. 136, wo aber vierzehn Gattungen genannt werden.) Eine Abhandlung
vom Wucher und der Wiedererstattung macht den Beschluss.

In den Beilagen werden, ausser dem Bemerkten, dem Gebote noch manche eigenthümliche Beziehungen
gegeben. Gerson (S. 43) nennt Frauen, die uneheliche Kinder zum Erbtheil kommen lassen, Kinder, die der
Aeltern Gut vergeuden, Grundbesitzer, die ihre Grenzen verrücken, Unterthanen, die rechte Steuern nicht bezahlen,
Leute, die die ihnen befohlenen Testamente (seelgerete) nicht vollziehen, oder untaugliche Menschen zum Genüsse
der Kirchengüter bringen. Der Spiegel des Sünders, der sehr ausführlich ist (S. 64—71), nennt auch Rath
und Unterstützung zu ungerechtem Kriege, Fälschung der Testamente (geschaepft der todten). Dat licht der
sele (S. 134) die, welche Andern schädliche Thiere halten, Allmosen nehmen, ohne sie zu bedürfen, sich mit
Allmosen zu den heiligen Stätten geloben, da sie doch selbst Gut haben, die das allgemeine Gut verthun
(doerslan), das Geld der Mündel auf Zins ausleihen ist auch Wucher u. s. w.

Eigenlhümlich ist in einer Beichte nach den zehn Geboten Augspurg, Job. Schobsser, 1483, in 4.,
(Stultg. Bibl.) "Ich gibe mich schuldig—auch das ich ein diebe bin gewesen gegen got, also das ich mein
czeyt, die ich gehebt hab, bisher toerlichen verezeret hab und hab sy got gestolen, das ich nicht gelebt hab
nach meiner armen sei hau." Und ähnlich in einem Beichtbuch — s. 1. & a., wahrscheinlich Strasburg, Martin
Flach, 4. (Stutt. Bibl.) "Ich gib mich schuldig, das ich got Stil sin liplich zyt und die unnutzlich vertribe
und mit mengen üppigen verlossenen werken, die er mir durch sine grosse minne hat geben, zu uertriben in
luterkeit." ,

Lanzhrannd's (der das 7. und 10. Gebot verbindet) ausführliche Darstellung (Augsp. 14S3, Bl. 72
bis 79) zeigt uns die mannichfaltigen Verhältnisse des Gemeinwesens der grossen Stadt Wien, und die ver-
worrenen Zustände, die durch den Landfrieden noch nicht zur Buhe gekommen waren. So sagt er "Wider
das gebot thuond gröblich — die unrecht krieg füren — und jr helffer, ratgeber, aufhalter und beschirmer,
als die daigen thuond, die on geschefft und on gewalt und on rechcz Urlaub eins lantfürsten absagen, und
angreiffen lant oder leüt oder eczlich des lands, oder einer den andern, und rauben, vahen, prennen, schlahen,
toedten, schaeezen oder nemen den leüten das jr, und mainen sy seind auszgered, darumb das sy abgesagt
haben." "Man mag, sagt er weiter, auch nit on sünd Stelen oder nemen einem reychen oder einem wuchrer,
darumb das man es geb einem (armen) menschen, noch einem Juden noch heyden, das man es geh armen
cristen, noch einem bösen, das man es geb einem frummen, wenn man thuot mit jr yedem wider das gebot."
"Die falsche mynsz schlahen oder schlahen lassen oder schaffen oder mit raittung, mit unrechter wag, mit
unrechter masz, mit unrechtem zelen, mit geuerigem messen oder wegen den leüten zekurcz tuon, — die da
masz williklich und wissenlich nit recht füllen — Schneider, die abschrolel des tuchs behalten on oder wider
der willen, des das tuen ist. Die zin für silber, messig für gold, glasz für edelgeslein, wasser für wein,
gefelschten saffran für gerechten oder etwas anders boesz für guots, alts fürnews, fauls für frisch, kranks für
gesunds oder für starekes, geprechlichs für ungeprechenliches, zerprochens für gancz, falsch für gerechts,
unwerhaffts für werhaffts geben oder verkaufen, es sei ein wein, bier, melt, brot, kaesz u. s. w." " Die kauffen
etwas, darumb das sy das zu haud deszter tewrer verkauffen, als die fürkeüffet tuond, die darumb der gemeyn
schedlich sind, und darumb sollt man ihn des nit gestalten." Er nennt ferner "die jr gärten, äcker, wisen,
Weingärten oder ander gründt oder czymmer weitter oder praiter machen, denn sy von recht sollten oder mit

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