Glasschröder, Franz Xaver
Urkunden zur Pfälzischen Kirchengeschichte im Mittelalter — München, 1903

Page: III
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Einleitung.

Während meiner fast 12 jährigen amtlichen Tätigkeit am
kgl. Kreisarchive der Pfalz in Speier ist es mir immer klarer geworden,
dass die den Pfälzern so geläufige Behauptung, die archivalischen
Quellen für die Geschichte ihrer Heimat seien zumeist den Kriegs
stürmen zum Opfer gefallen, welche im 17. und 18. Jahrhundert
über die sonnigen, rebenbekränzten Gefilde am Rhein dahinbrausten,
glücklicherweise nur eine sehr relative Berechtigung habe.

Wohl haben im Dreissigjährigen Kriege (1635) die Schweden
ihren Pferden mit den Archivalien des Klosters Mariastein und der
Pfarrei Zweibrücken eingestreut; wohl ist beim Brande des Schlosses
Falkenstein bei Winnweiler im Jahre 1647 das ältere Archiv der
Reichsgrafen von Falkenstein und beim Brande des Schlosses zu
Dürkheim a/H. im Jahre 1794 ein bedeutender Teil des Leiningischen
Archives in Rauch aufgegangen. Auch liess die Gleichgültigkeit und
Sorglosigkeit herrschaftlicher Beamten gegenüber alten Pergamenten
und Papieren, die nicht „giebig" waren, d. h. nicht Rechtstitel für
herrschaftliche Gerechtsame und Gefälle bildeten, manch historisch
wertvolles Dokument verkommen. Aber im ganzen ist die Annahme
berechtigt, dass in der Pfalz nicht mehr urkundliche Denkmäler der
Vergangenheit der Ungunst der Zeiten zum Opfer gefallen sind, als
anderswo, dass die Pfälzer Archivalien nicht so sehr verloren als
zerstreut sind.

Die einstige Zersplitterung der Pfalz in 44 Territorien, deren
Gebieter vor den französischen Revolutionshorden sich und ihre Habe
über den Rhein flüchteten, hatte zur Folge, dass heute in zahlreichen
deutschen Adelsarchiven Pfälzer Archivalien zu finden sind, und die
Aufteilung der Pfälzer Lande während und nach der Franzosen-
herrschaft an Baden, Hessen, Bayern, Preussen und Elsass-Lothringen
brachte es mit sich, dass heute in beinahe einem Dutzend deutscher
Staatsarchive pfälzische Archivbestände verwahrt werden. Mangelndes
Verständnis endlich Hess manch wertvollen Bestand ins Ausland
wandern, von wo er schwerlich mehr den Rückweg in die Heimat
finden dürfte.

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